<b>Von Micaela Taroni</b><BR /><BR />In Italien sind im vergangenen Jahr mindestens 249 Menschen an einer akuten Drogenvergiftung gestorben. Das waren fast fünf Todesfälle pro Woche und 7,8 Prozent mehr als 2024, als 231 Menschen starben, teilte die Organisation Forum Droghe mit. Die Zahlen stammen aus dem Jahresbericht der italienischen Regierung über Abhängigkeitserkrankungen und beziehen sich auf Todesfälle, die von den Sicherheitsbehörden unmittelbar festgestellt wurden.<BR /><BR />Kokain wurde 2025 bei 33 Prozent der Todesfälle als verantwortliche Substanz genannt. Auch bei den drogenbedingten Krankenhausaufnahmen war Kokain in 32 Prozent der Fälle beteiligt. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 9641 Notaufnahme-Behandlungen wegen unmittelbar drogenbedingter Beschwerden registriert – 15 Prozent mehr als im Vorjahr.<BR /><BR />Für 2024 weist die italienische Regierung eine Rate von rund 0,6 Drogentoten je 100.000 Einwohner im Alter von 15 bis 64 Jahren auf. <BR />Die EU-Drogenagentur EUDA kam für denselben Zeitraum auf einen geschätzten EU-Durchschnitt von 2,5 Todesfällen je 100.000 Einwohner. <BR /><BR />Insgesamt wurden in der Europäischen Union mindestens 7589 tödliche Überdosierungen registriert. Die italienische Rate liegt damit rund viermal unter dem EU-Durchschnitt. Anfang der 1990er Jahre war die Situation in Italien noch deutlich dramatischer. Damals wurden jährlich zwischen 1500 und 2000 Drogentote registriert. <BR /><BR />Auch in der Region Trentino-Südtirol werden zahlreiche Menschen wegen Drogenabhängigkeit behandelt. In Südtirol erhielten 2025 insgesamt 1416 Menschen eine ambulante Behandlung. Im Trentino waren es 1207. In der gesamten Region Trentino-Südtirol befanden sich zudem 312 Menschen in Einrichtungen zur Drogenentwöhnung.<BR /><BR />„Die niedrigere italienische Rate gegenüber dem europäischen Durchschnitt ist kein Geschenk der Prohibition“, sagte der Präsident des Verbands Forum Droghe, Leonardo Fiorentini. Sie sei vielmehr das Ergebnis der Arbeit von öffentlichen und privaten sozialen Diensten, Methadonprogrammen sowie der Verteilung von Naloxon seit den 1990er Jahren. <BR /><BR />Diese Entwicklung sei jedoch ins Stocken geraten, kritisierte Fiorentini. Maßnahmen zur Schadensminderung gehören in Italien zwar seit 2017 zur gesetzlich vorgesehenen Gesundheitsversorgung, einheitliche nationale Leitlinien gebe es aber weiterhin nicht. Das Angebot hänge deshalb stark vom jeweiligen Wohnort ab.<BR /><BR />„249 Todesfälle sind kein Ergebnis, mit dem man sich zufriedengeben kann“, sagte Fiorentini. Die Regierung müsse das Ziel verfolgen, die Zahl der Todesfälle auf null zu senken.<BR /><BR />Auch Susanna Ronconi von Forum Droghe warnte davor, Überdosierungen als unvermeidbare Unfälle zu betrachten. Sie könnten nicht verhindert werden, indem man Menschen lediglich abschrecke oder bestrafe.