<b>von Martina Hofer</b><BR /><BR />Mit Selbstverteidigungskursen hat sich Kampfsportausbilder Marco Buraschi aus Auer einst seine Studien für Sozialpädagogik und Sozialmanagement fi<?TrVer> nanziert. Heute aber hält der Chef von STS-Security in Bozen nur mehr wenig von zehn Einheiten Selbstverteidigung, die manche Frauen in Sicherheit wiegen. „Es ist eine Utopie zu glauben, dass sie es dann mit ei<?TrVer> nem 120-Kilo-Mann aufnehmen können, da müssten sie Kampfsportlerinnen sein“, weiß einer, der viel gesehen hat. <BR /><BR />Seit 14 Jahren schon arbeitet der einstige Behindertenbetreuer und Kindergärtner hauptberuflich in der Securitybranche und beschäftigt mittlerweile 560 Mitarbeiter auf Abruf in Südtirol, im Trentino und Belluno.<BR /><BR /><h3> Zum Vermieter, zum Ex oder auf ein Konzert</h3>Neben Sicherheitsdiensten bei Veranstaltungen oder Detektiv-Einsätzen, sind seine Security-Mitarbeiter/innen auch im privaten Bereich immer öfter gefragt. „Personenschutz ist in Ita<?TrVer> lien den Behörden vorbehalten und daher verboten, doch wir dürfen Begleitdienste durchführen“, erklärt Buraschi. <BR /><BR />So hat er schon eine Vermieterin begleitet, die sich allein nicht mehr zum Lokalaugenschein in die vermietete Wohnung getraut hat, oder eine Frau, die in ihrem ehemaligen Zuhause noch die letzten Sachen abholen wollte. „Die traurigen Kinder zu sehen, die Ma<?TrVer> ma anflehten, zu bleiben, war schon sehr emotional. Und der Ex-Mann? Der hielt mich für den Neuen, keine schöne Situation“, gibt der gebürtige Trudner zu. <BR /><BR />Manchmal aber begleitet er auch nur eine Gruppe Mädchen auf ein Konzert oder zum Shopping – bezahlt vom Papa. „Ich bin da irgendwo der Aufpasser, Personenschutz ist was anderes, da bräuchte es mindestens drei von uns“, kennt der Sicherheitsexperte die Gesetzeslage genauso gut wie die Sicherheitslage in Südtirol. Und diese sei alles andere als beruhigend. <BR /><BR />Kein Tag, an dem nichts über Kleinkriminalität, Drogenbanden, Jugend-Gangs oder Gewalt in der Familie vermeldet werde. <BR /><BR />Über 5300 Mal wendeten sich allein 2022 Frauen an die Frauenhäuser in Südtirol, um Rat und Schutz in einer Gewaltsituation zu erhalten.<BR /><BR />„Die Gesetzgebung in Italien ist diesbezüglich zwar recht stark. Wird jemand erwischt, kommt er ins Gefängnis, und das Opfer, wenn es gut geht, bekommt vielleicht ein bisschen Geld. Was der Staat aber nicht schafft, ist die geschädigte Psyche der Frau in Ordnung zu bringen“, sagt Buraschi. „Feministinnen werden mich verteufeln, aber ich sage immer zu den Frauen: Heult nicht rum, sondern schaut auf euch, wie die Männer auf sich schauen.“<h3> Selbstschutz für Frauen – Vorträge und TikTok-Videos</h3>Wie er das konkret meint? „Frauen müssen auf sich selbst <?Uni SchriftWeite="97ru"> aufpassen. Nicht mit den Muskeln, da haben sie keine Chance. <?_Uni> Aber mit dem Kopf. Sie können besser als jeder Mann vorausdenken und damit Gefahrensituationen vermeiden.“<BR /><BR />Neben den Begleitdiensten in möglichen Risikosituationen, setzt der Security-Chef darum vermehrt auf Aufklärung. „Selbstschutzkurse“ nennt er die Vorträge, die der Fachmann mittlerweile landauf, landab hält. „Ich gebe den – meist weiblichen – Zuhörern viele praktische Tipps und Tricks mit, zeige aber auch einige Handgriffe zur Selbstverteidigung“, sagt Buraschi, „diese zielen primär auf Prävention ab.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1062318_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Der 44-Jährige weiß nämlich: „Die Ordnungskräfte können erst einschreiten, sobald es bereits zur Tat gekommen ist.“ Sein Ziel sei es darum, alles dafür zu tun, um diese Situationen zu verhindern – dafür versuche er seit Jahren zu sensibilisieren. <h3> Gefahren erkennen, richtig handeln</h3>Und da sei es wichtig, die Gefahren vor Augen zu haben. „Ich stelle im Kurs in Rollenspielen Situationen nach, um gewappnet zu sein“, sagt der Security-Fachmann. Bei einem Handtaschendiebstahl etwa könne nicht die Polizei verständigt werden, wenn das Handy in der Tasche sei. „Besser ist also, man trägt das Handy separat in einer Jackentasche. Man kann dann auch nicht zum Auto laufen und sich darin verbarrikadieren, denn der Schlüssel befindet sich ja auch in der Handtasche.“<BR /><BR />Meist, so weiß der Experte, gehe es um banale Dinge. Wie hält man ein Pfefferspray richtig? Oder wie klingt die Sirene der Polizei, damit Frau weiß, dass Hilfe naht? All dies hat er mittlerweile auch in TikTok-Videos verpackt, um Jüngeren ein niederschwelliges Hilfsangebot zu liefern. Ein Buch sei ebenfalls in Planung, verrät Buraschi, der diesen Themen seit Jahren gro<?TrVer> ße Aufmerksamkeit schenkt. <BR /><BR />„Im Grunde sollte jeder Mensch ‚Security‘ für sich selbst und für den anderen sein, dann bräuchte es uns nicht mehr“, spricht er zwar gegen sein Geschäft, doch für etwas, wofür er brennt: die Sicherheit der Menschen – egal ob in den eigenen vier Wänden, auf der Straße, im Fußballstadion oder auf einer Großveranstaltung.