Mittwoch, 23. September 2015

Immer mehr junge Italiener tragen Dirndl und Lederhose

Südtirols Jugend trägt wieder mehr Tracht bzw. Dirndln und Lederhosen in allen möglichen Formen und Facetten. Was sich unter der deutschsprachigen Bevölkerung in den letzten Jahren zum Trend entwickelt hat, greift nun auch auf die italienischsprachigen Jugendlichen vermehrt über. Für Feste und Feiern schlüpfen auch sie in die "kleidsame, alpine Mode".

Dirndl und Lederhose: Das gefällt der Jugend.
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Dirndl und Lederhose: Das gefällt der Jugend.

"Hast du gesehen, sie tragen Dirndln und das gerne." Oder: "Mir gefällt es und meine Freundin hat ja auch eines an." Aussagen wie diese waren am Schupfenfest in Salten am Wochenende keine Seltenheit. Aufgefallen ist es aber dennoch, dass ganze Gruppen - italienisch- oder gemischtsprachiger Jugendlicher - sich in Drindl oder Lederhose zeigten. 

Ob es sich dabei um eine Revitalisierung eines Brauchtums oder einen aktuellen Modetrend handelt, ist den Trägern dabei meist einerlei. 

Sie tragen es, weil's ihnen gefällt

"Es stimmt, wir zählen immer mehr italienischsprachige Kunden, bestätigt Helga Treyer, Filialleiterin von Trachten Hit in Bozen auf Anfrage von STOL. Die Kunden würden die traditionelle Kleidung einerseits bezogen auf Feste, wie das Oktoberfest oder das Schupfenfest, kaufen - und für Anlässe, wie Hochzeiten. 

"Die anderen kommen, weil es ihnen gefällt. Sie sind überzeugt, wenn sie zu uns kommen", so Treyer. 

Modedirndln sind absolut im Trend

Den aktuellen Trend unter der italienischsprachigen Bevölkerung, vor allem der Jugend, kann auch Helmut Rizzolli, Präsident der Arbeitsgemeinschaft "Unsere Tracht" bestätigen. "Wobei das übliche Modedirndl für Folklore steht", unterscheidet Rizzolli zur traditionellen Form der Tracht. Das Oktoberfest würde einen wahnsinnigen Multiplikatoreffekt mit sich bringen.

Er spricht von einem Modephänomen, "bei dem man sich nichtsdestotrotz zum Alpinen bekennt". Er sieht den Trend auch nicht negativ, im Gegenteil. 

Kunden sind Mitte 20

"Ich habe mich anfangs auf etwas gewundert, aber das ist eine tolle Entwicklung", sagt Filialleiterin Treyer. Das Alter ihrer italienischsprachigen Kundschaft reicht vom Kindes- bis ins Greisenalter. Doch Jugendliche um die 20, Mitte 20 würden den Hauptteil ausmachen. Sie sind es auch, die sich zusammen mit ihren Schulkollegen oder Freunden einkleiden würden - ganz und gar unabhängig von der Sprachzugehörigkeit.

Und sie würden sich auch informieren und nachfragen, wie man was trägt, bescheinigt Treyer den Käufern echtes Interesse.

Für eine richtige Tracht mit Lokalbezug

Dies wiederum bestärkt Rizzolli. "Über das Tragen von Drindl und Lederhose beginnen manche sich auch nach dem Ursprung zu fragen und zu erkundigen", so der ARGE-Präsident.

Zudem verweist er auf all jene, die sich nicht rein aus modischen Überlegungen für eine Tracht entscheiden. "Viele italienische Gruppen suchen heute nach einer richtigen Tracht mit Lokalbezug", so Rizzolli.

stol/ker

stol