"Diese Erfahrung machen die sieben Schuldnerberater der Caritas täglich. Im vergangenen Jahr haben sich über 1.300 Personen mit finanziellen Problemen an die Schuldnerberatung gewandt. Das sind 14 Prozent mehr als im Vorjahr", so die Caritas.Grund für die Schuldenmisere war bei fast 38 Prozent ein zu geringes Einkommen. Dabei hatte weit über die Hälfte der Ratsuchenden einen Arbeitsplatz oder bezog eine Pension.„Die Menschen, die zu uns kommen, werden immer ärmer. Sie müssen die steigenden Lebenshaltungskosten bewältigen und zusätzlich noch Schulden zurückzahlen. Dabei haben sich viele von ihnen nicht wegen größerer Anschaffungen verschuldet, sondern weil sie die Miet- und Nebenkosten nicht mehr bezahlen konnten“, berichtet Petra Priller, Leiterin der Caritas Schuldnerberatung, aus ihrer täglichen Erfahrung.Rechnungen für Miete, Strom und Gas werden zum ProblemHauptgläubiger waren im vergangenen Jahr neben Banken und Finanzierungsgesellschaften vor allem Vermieter und Energieversorger.„Immer mehr Frauen und Männern in Südtirol fehlt das Geld für die Miete, Strom und Gas“, berichtet die Leiterin der Schuldnerberatung.Vor allem die Lage der Menschen mit geringem Einkommen habe sich weiter verschlechtert und deren Überschuldungsrisiko noch weiter ansteigen lassen.„Viele mussten sich Geld leihen, um anstehende Rechnungen zu bezahlen und sind deshalb in die Schuldenmisere geraten“, sagt Priller. Fast drei Viertel der Betroffenen hatten ein Einkommen unter 1.500 Euro.Die am meisten genannten Ursachen für die Geldprobleme waren Arbeitslosigkeit, Niedrigeinkommen und Einkommensverschlechterung aufgrund von Teilzeitarbeit, Mobilität oder Kurzarbeit.Über die Hälfte der Betroffenen haben lediglich die Pflichtschule absolviert, fünf Prozent verfügen über einen Hochschulabschluss. „Mangelnde Ausbildung und Schuldenkarriere liegen leider oft nahe beieinander. Wer nicht gut ausgebildet ist, verdient meist weniger und hat gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten weniger Chancen auf einen Arbeitsplatz“, bestätigt Priller. Vor finanziellen Problemen gefeit sei aber niemand.Caritas berät diskret und kostenlosDie Schuldnerberatung der Caritas berät diskret und kostenlos. Die sieben Mitarbeiter in den Büros in Bozen, Meran, Brixen und Bruneck arbeiten Haushaltspläne aus, verhandeln mit den Gläubigern und bieten Unterstützung bei der Schuldenregulierung an.Neben den wirtschaftlichen Aspekten berücksichtigen sie besonders auch die soziale und psychische Situation der Klienten. „Die Schuldenlast hat nicht nur materielle Auswirkungen. Oft führt der Druck zu Depressionen, psychischen Erkrankungen, Konflikten in der Familie bis hin zur völligen Isolation“, sagt Petra Priller. Auch darauf gelte es zu reagieren.__________________________________________________________________________Büros der Schuldnerberatung gibt es in Bozen (Sparkassenstraße 1, Tel. 0471/304380), Meran (Rennweg 52, Tel.0473/495630), Bruneck (Paul-von-Sternbach-Str. 6, Tel. 0474/413977) und Brixen (Pfarrplatz 4, Tel. 0472/205928).