<BR />Im Villnößtal wächst die Kritik an touristischen Hubschrauberflügen über dem Naturpark Puez-Geisler. Nun fordern eine Initiativgruppe, der Naturpark-Führungsausschuss und die Gemeinde Villnöß eine Reduzierung und Kontrolle der Flüge. Gerade im Sommer boomen die Flüge inmitten der geschützten Bergwelt. <BR /><BR /> Simon Niederwolfsgruber verbringt seit Jahren den Sommer als Hirte auf der Koflalm (2100 Meter) in Villnöß im Naturpark Puez-Geisler und kümmert sich dort um die Schafe. In letzter Zeit richtet er seinen Blick immer öfter besorgt gen Himmel – denn mitten in der ausgewiesenen Ruhezone des Naturparks sind zunehmend Hubschrauber zu touristischen Zwecken unterwegs. An Bord: zahlungskräftige Gäste, die die spektakuläre Landschaft der Dolomiten aus der Luft hautnah genießen wollen. <h3> Bis zu 20 Hubschrauber täglich</h3>„Vor allem im Juli und August flogen mehrmals am Tag Hubschrauber direkt über die Alm hinweg – und das oft nur rund 100 Meter über dem Boden“, erzählt Niederwolfsgruber. Und das obwohl die gesetzliche Regelung vorsieht, dass Hubschrauber über Naturparks eine strikte Flughöhe von mindestens 500 Metern über dem Boden einhalten müssen. <BR /><BR />Von bis zu 20 Hubschraubern täglich berichtet Niederwolfsgruber, die in den Monaten Juli und August über dem Gebiet unterwegs gewesen seien. Mittlerweile sei es wieder etwas ruhiger geworden. Zwei Hubschrauber pro Tag sehe er aber nach wie vor. Und: „Den Adler, der vorher immer hier unterwegs war, haben sie aus seinem Revier wohl verscheucht“, sagt Niederwolfsgruber. „Er ist nirgends mehr zu sehen.<BR /><BR />Die Zunahme der touristischen Flüge ist im Tal ein gefühltes Thema. Vor rund drei Wochen traf sich eine Initiativgruppe, um in Zusammenarbeit mit der Sektion Villnöß des AVS auf die Problematik aufmerksam zu machen. Ein Schreiben wurde an die zuständigen Stellen des Landes geschickt. Roland Gafriller aus Teis erklärt, worum es der Gruppe geht: „Im Tal sind mehrere Hotelprojekte im Bau, darunter auch hochpreisige Häuser. Wir befürchten, dass dadurch die Zahl der Touristenflüge weiter zunimmt. Es hat jetzt schon bedenkliche Ausmaße angenommen.“ Die Initiativgruppe wolle rechtzeitig auf diese Entwicklung aufmerksam machen und vor möglichen weiteren Auswirkungen auf die Natur und die Einzigartigkeit der Landschaft in Villnöß warnen.<BR /><BR />Unterstützung kommt auch vom Führungsausschuss des Naturparks Puez-Geisler. Präsident des Gremiums ist der ehemalige Villnösser Bürgermeister Robert Messner. Unter seiner Federführung ist ebenfalls ein Schreiben an die zuständigen Landesstellen verschickt worden. „Als Führungsausschuss haben wir zwei bis drei Sitzungen im Jahr, in denen wir wichtige Anliegen besprechen. Die störenden touristischen Rundflüge waren dabei immer wieder Thema“, sagt Messner. Zuletzt seien im Land neue Hubschrauberlandeplätze ausgewiesen worden. „Entsprechend aktuell ist das Thema. Wir wollen ein Zeichen dagegen setzen.“<BR /><BR />Das Schreiben ging laut Messner an Umweltlandesrat Peter Brunner und Amtsdirektor Leo Hilpold. Darin wird appelliert, touristisch motivierte Panoramaflüge im Naturpark zu reduzieren. Diese stören Einheimische und Gäste und stehen im krassen Gegensatz zum Hauptziel des Naturparkkonzepts – die Natur- und Kulturlandschaften in ihrem ursprünglichen Zustand zu bewahren.<h3> Was Gemeinde und Land sagen</h3>Auch im Villnösser Gemeinderat ist das Thema angekommen. Im Zuge der jüngsten Gemeinderatssitzung wollte Bürgermeister Peter Pernthaler die Positionen der Gemeinderäte dazu einholen. „Der Gemeinderat von Villnöß steht voll hinter dem Anliegen. Derartige Flüge sind störend für das Tal“, erklärt Pernthaler. Auch die Gemeinde werde an die Landesregierung schreiben. „Wir fordern, dass derartige Panoramaflüge im Naturpark reduziert und kontrolliert werden.“ Pernthaler verweist zudem darauf, dass mittlerweile auch von Österreich aus Hubschrauberrundflüge über die Dolomiten starten würden. „Das Land muss Druck auf den Staat machen“, so der Bürgermeister. <BR /><BR />Umweltlandesrat Peter Brunner erklärte gestern auf Nachfrage : „Aktuell arbeitet eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe an der Thematik. Das Thema ist sehr komplex. Ziel ist es, klarere Regelungen zu finden.“