Freitag, 25. März 2022

Impf-Skandal erschüttert Italien: Placebos statt Impfstoff

Eine Krankenschwester aus Palermo, die bereits im Jänner unter Hausarrest gestellt wurde, weil sie Impfgegnern gegen Geld Corona-Impfzertifikate ohne Immunisierung verschafft haben soll, ist jetzt mit weiteren Vorwürfen konfrontiert. Die 58-Jährige soll Dutzenden Menschen Placebo-Mittel verabreicht haben, die sich impfen lassen wollten und die nun nicht wissen, ob sie einen Impfschutz haben oder nicht, teilten die Justizbehörden in Palermo am Freitag mit.

Unglaublich: Die nichtsahnenden Patienten erhielten den Impfstoff in eine Stoffbinde oder am Arm vorbei, anderen wurden ein Placebo verabreicht. - Foto: © shutterstock

Geprüft werden die Fälle von 47 Personen, denen offenbar Placebos verabreicht wurden, in der falschen Annahme immunisiert worden zu sein. Die Krankenpflegerin soll nach Angaben der Polizei in diesen Fällen aus ihrer überzeugten Position als Impfgegnerin gehandelt und kein Geld erhalten haben, berichteten die Justizbehörden.

Von Impfgegnern kassierte die Krankenpflegerin 100 Euro pro vorgetäuschte Spritze. Diese sicherten sich somit den Grünen Pass, der für die meisten Bereiche des sozialen Lebens vorzuweisen ist. Festgenommen wurden im Jänner auch ein bekannter Impfgegner-Aktivist auf Sizilien sowie 3 weitere Männer. Wie aus Videoaufnahmen hervorgeht, spritzte die Krankenpflegerin den Impfstoff in eine Binde und setzte die Spritze am Arm der Patienten an, ohne Flüssigkeit zu injizieren. Die Ermittler schlossen aus, dass Ärzte des Impfzentrums in Palermo in den Betrug involviert waren.

Arzt in Florenz stellt falsche Impf-Bescheinigungen aus: Hausarrest

Die Carabinieri hatten am Dienstag auch einen Arzt in Florenz festgenommen, der falsche Bescheinigungen über Corona-Impfungen ausgestellt hatte. Damit erhielten mehrere Personen einen Grünen Pass, ohne ein Anrecht darauf zu haben. In anderen Fällen hätten einige Patienten gegen ihren Willen und ohne ihr Wissen andere Substanzen als den Impfstoff in dem Glauben erhalten, Dosen von Pfizer zu bekommen.

Der Arzt, der unter Hausarrest gestellt wurde, wird unter anderem der Urkundenfälschung, der Veruntreuung und der Korruption beschuldigt. Die Ermittlungen führten auch zur Beschlagnahmung von 38 Grünen Pässen. Gegen weitere 35 Personen wird ermittelt. Den Carabinieri zufolge stellte der verdächtigte Arzt falsche Impfbescheinigungen aus und gab die entsprechenden Daten in das Computersystem der Region Toskana ein, was den Impfgegnern ermöglichte, Grüne Pässe zu erhalten.

In Ancona laufen indes ebenfalls Ermittlungen gegen eine Krankenschwester aus Falconara Marittima, die sich mithilfe einiger Mittelsmänner ungeimpfte „Kunden“ beschaffte. Die Krankenschwester täuschte Impfungen vor, dank derer die Impfgegner den Grünen Pass erhalten konnten, ohne dass die übrigen Mitarbeiter der Teststation davon wussten. Gegen weitere fünf Verdächtige wird wegen Korruption, Veruntreuung und ideologischer Fälschung in Verbindung mit der unrechtmäßigen Ausstellung Grüner Pässe ermittelt.

apa/stol

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