Donnerstag, 01. März 2018

Impfpflicht: „Sorgenkind Südtirol“?

Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin und der Präsident des Obersten Gesundheitsinstituts Iss Walter Ricciardi sind mit Südtirol unzufrieden: „Alle Regionen passen sich dem Impfgesetz gut an - außer Südtirol.“

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Foto: © shutterstock

Beatrice Lorenzin reicht es. Auf die Anfrage einiger Regionen, Kindern weiterhin den Schulbesuch zu erlauben, auch wenn sie nicht alle vom Gesetz vorgeschriebenen Impfungen vorweisen, reagierte die Gesundheitsministerin mit klaren Worten: „Nein, das ist nicht in Ordnung. Wir sind ein Land, das vergessen hat, wie Gesetze funktionieren. Sie sind dazu da, die öffentliche Sicherheit zu garantieren.“

Im vergangenen Monat wurden laut Lorenzin 162 Maserfälle behandelt, zwei Personen starben an der Krankheit. „Es geht hier um eine ernste Angelegenheit. Die Einrichtungen müssen sich jetzt an das Gesetz halten, immerhin soll es die Sicherheit von Personen garantieren und vielleicht sogar Leben retten. Wir haben den Familien alle Möglichkeiten für einen leichten Umstieg gegeben.“

Ab 10. März wird sanktioniert

Am 10. März verfällt die Frist zur Vorweisung der Impfscheine in den Schulen: „Wir werden lediglich jene Familien bestrafen, die sich aus ideologischen Gründen geweigert haben, ihre Kinder gesetzeskonform impfen zu lassen. Wer glaubt, wir würden hier nachgeben, hat sich geschnitten“, zitiert die italienische Nachrichtenagentur Ansa Lorenzin weiter.

Walter Ricciardi, Präsident des Obersten Gesundheitsinstituts Iss, ist ebenfalls unzufrieden: „Alle Regionen haben sich relativ gut an die Impfpflicht angepasst, in den meisten Fällen werden die Impfscheine bis zum 10. März vorliegen. Das einzige Sorgenkind bleibt Südtirol.“

Dort seien laut Ricciardi noch tausende Kinder nicht gegen alle vom Gesetz vorgeschriebenen Krankheiten geimpft. Es sei beeindruckend, dass selbst Vertreter der Provinz die Bevölkerung anstiften würden, sich gegen das Gesetz zu sträuben. „Das ist wirklich beunruhigend“, so Ricciardi laut Ansa.

15.000 Unterschriften gegen Impfpflicht

Erst am Montag hatte Andreas Pöder von der BürgerUnion mehr als 15.000 gesammelte Unterschriften Südtiroler Bürger gegen die Impfpflicht eingereicht.

Gesundheitslandesrätin Martha Stocker hingegen erklärte, man habe alles versucht, sich an das Gesetz zu halten und würde auch weiterhin Überzeugungsarbeit bei der Bevölkerung leisten.

Lorenzin hatte angedeutet, dass sich vor allem die ländliche Bevölkerung Südtirols gegen das Impfen sträuben würde.

stol

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