Montag, 25. Januar 2021

Impfung: Italien warnt vor Benachteiligung der EU bei Lieferungen

Italien protestiert wegen der verzögerten Auslieferung des Corona-Impfstoffs von Pfizer/BioNTech sowie AstraZeneca und klagt über eine Benachteiligung der EU-Länder.

Ich traue diesen Konzernen nicht, ich will die Impfdosen sehen“, erklärte Regierungskommissar Domenico Arcuri.
Ich traue diesen Konzernen nicht, ich will die Impfdosen sehen“, erklärte Regierungskommissar Domenico Arcuri. - Foto: © APA (AFP) / KENZO TRIBOUILLARD
„Die Pharmakonzerne behandeln die 27 EU-Länder, als wären sie Bettler“, kritisierte der für die Impfkampagne zuständige Regierungskommissar Domenico Arcuri.

Auf die Frage, ob die nicht gelieferten Impfdosen in reichere Länder gewandert sein könnten, antwortete Arcur im Interview mit dem TV-Sender Canale 5 am Sonntagabend: „Ich hoffe, dass dies nicht stimmt, mit dem Leben der Menschen spielt man nicht“.

„Die Pharmakonzerne haben sich verpflichtet, eine gewisse Zahl an Impfdosen zu liefern. Damit könnten wir bis Herbst 45 Millionen Italiener impfen. Ich traue diesen Konzernen nicht, ich will die Impfdosen sehen“, forderte Arcuri.

Verzögerung bei Impfung von Senioren


Seit dieser Woche muss Italien mit 20 Prozent weniger Impfstoff-Dosen auskommen. So wird das Land die Impfung von Senioren im Alter von über 80 Jahren erst in 4 Wochen beginnen können, hatte Vize-Gesundheitsminister Pier Paolo Sileri zuvor am Sonntag im Interview mit RAI 1 mitgeteilt. Bei der Impfung des Rests der Bevölkerung wird es demnach zu Verzögerungen von bis zu 2 Monaten kommen.

Italien will der zweiten Impfung jenen Personen Priorität geben, denen bereits eine erste Dosis injiziert wurde. Seit Beginn der Impfkampagne am 27. Dezember wurden circa 1,35 Millionen Italiener geimpft, Vorrang haben das Gesundheitspersonal sowie in Seniorenheimen lebende Menschen. Italien ist derzeit das EU-Land mit der höchsten Zahl an geimpften Personen.

Die italienische Regierung plant rechtliche Schritte wegen der verzögerten Auslieferung des Corona-Impfstoffes. Sie will außerdem Druck auf die EU-Kommission ausüben, damit diese ähnliche Initiativen ergreife, sagte Außenminister Luigi Di Maio. Er kündigte den Einsatz aller rechtlichen Mittel an, um sicherzustellen, dass die Verträge mit den Pharmakonzernen erfüllt werden.

apa/stol