Samstag, 14. März 2020

In Bergamo wütet der Coronavirus – Leitartikel von Chefredakteur Toni Ebner

Bergamo und die dazugehörende Provinz wurden und werden am meisten vom Coronavirus heimgesucht. Laut den aktuellen Zahlen wurden allein in dieser Provinz 2864 Personen positiv auf den Virus getestet – und immer mehr von ihnen sterben daran. Die Tageszeitung „L'Eco di Bergamo“ enthält dieser Tage eine enorme Anzahl an Todesanzeigen. Darauf nimmt auch „Dolomiten“-Chefredakteur Toni Ebner in seinem Leitartikel der Wochenend-Ausgabe Bezug.

„L'Eco di Bergamo“, die Tageszeitung von Bergamo, enthält seit Tagen erschütternd viele Todesanzeigen.
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„L'Eco di Bergamo“, die Tageszeitung von Bergamo, enthält seit Tagen erschütternd viele Todesanzeigen.
„Ausgangsverbot einhalten – sonst Chaos“

Diese Überschrift trägt der Leitartikel von „Dolomiten“-Chefredakteur Toni Ebner in der aktuellen Wochenendausgabe:

Vor genau einer Woche habe ich auf dieser Seite versucht, die Südtiroler zu beruhigen: Wir Südtiroler lassen uns nicht unterkriegen!

Heute muss ich die Südtiroler warnen: Wenn wir uns nicht an das ohnehin lockere Ausgangsverbot halten, enden wir im Chaos wie die Lombardei.

Die Ereignisse in den letzten 7 Tagen haben sich überschlagen. Ministerpräsident Giuseppe Conte hat verschärfte Maßnahmen für das ganze Land verordnet. Ganz Italien samt Südtirol wurde zum Sperrgebiet erklärt. Oberste Devise ist, zu Hause zu bleiben und die Kontakte zwischen den Menschen zu reduzieren, um die Übertragung der Viren zu verhindern. Diese Anordnung muss man ernst nehmen und befolgen!

Leider nehmen immer noch viel zu viele Mitmenschen dieses Gebot der Stunde auf die leichte Schulter. Wer jetzt noch das Haus ohne triftigen Grund verlässt, handelt grob fahrlässig. Die Viren können nur im Menschen leben. Wenn wir keine oder nur die uns nahestehenden Menschen treffen, findet der Virus keine neuen Wirte und verschwindet. Das ist die einzige Chance, um der Pandemie Herr zu werden.

Wenn wir jetzt nicht imstande sind, auf soziale Kontakte für Wochen zu verzichten, wenn wir nicht imstande sind, durch rigorose Hygiene den Viren keinen Zugang zu unserem Körper zu ermöglichen, blühen uns Zustände wie in der Lombardei.

Die Krankenhäuser dort können die Corona-Patienten nicht mehr aufnehmen. Auf den Intensivstationen müssen die Ärzte entscheiden, wer an das Beatmungsgerät darf. Wer nicht darf, stirbt!

Viele Opfer schaffen es gar nicht mehr ins Krankenhaus. Die Statistiken zeigen uns nur die „offiziellen“ Corona-Opfer. In der größten Lokalzeitung in Bergamo „L’Eco di Bergamo“ werden im Jahresdurchschnitt 20 Todesanzeigen täglich abgedruckt; in der gestrigen Ausgabe waren es 138 Todesanzeigen. Eine unvorstellbar hohe Zahl an Toten. Das ist die Realität.

Die Ärzte und Krankenpfleger der Lombardei opfern sich in unmenschlich langen Diensten und unter Gefahr für die eigene Gesundheit für die Patienten auf. Zuerst starben nur alte Menschen oder Menschen mit einer Vorerkrankung. Aber Achtung, „nun kommen auch die 40- bis 45-Jährigen auf die Intensivstationen“, warnt deren Leiter Luca Lorini. Der Satz „Es sterben eh nur die Alten“ stimmt nicht mehr. Es sterben auch Junge.

Das einzige Mittel zur erfolgreichen Bekämpfung der Corona-Viren ist und bleibt die Kontaktvermeidung. Das hat in China und Südkorea funktioniert. Das funktioniert auch in Südtirol.

Es ist also höchste Zeit aufzuhören, im Versteckten lustige Partys zu feiern oder ohne Grund das Haus zu verlassen. Es kann jeden treffen.

Jetzt ist jeder Südtiroler gefordert, seinen Beitrag zu leisten. Dabei ist die Anforderung leicht zu erfüllen. Unseren Großvätern und Vätern hat der Staat für sein vermeintliches Wohl angeordnet, in den Krieg zu ziehen. Von uns fordert der Staat nur, dass wir für unser Wohl auf der Couch liegen bleiben.

Das schaffen wir!


Chefredakteur Toni Ebner

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Die Fülle an Todesanzeigen im „L'Eco di Bergamo“ beweist auch dieses Video.

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Wie sehr Bergamo unter dem Coronavirus leidet, beweist auch die Meldung, dass am Samstag dort ein nur 47 Jahre alter Mitarbeiter der Notrufzentrale 118 wegen dem Coronavirus sein Leben verloren hat.

Alle Artikel sowie die interaktiven Karten der Welt und Italiens mit allen aktuellen Zahlen in Sachen Coronavirus finden Sie hier.

te/ds