Samstag, 14. März 2020

In China erstmals mehr Corona-Fälle durch Einreisende

In China, wo die Coronavirus-Pandemie ausgebrochen ist, ist die Zahl der Virusinfektionen bei Reisenden aus dem Ausland erstmals höher ausgefallen als die Zahl der Ansteckungen durch Übertragungen im Inland. Von den elf Neuinfektionen seien sieben bei Menschen festgestellt worden, die aus dem Ausland kamen, teilte die Nationale Gesundheits-Kommission am Samstag mit.

China war Ausgangspunkt der Coronavirus-Pandemie.
China war Ausgangspunkt der Coronavirus-Pandemie. - Foto: © APA (AFP) / GREG BAKER
Die in China vorgenommenen rigorosen Reisebeschränkungen haben den Export von Corona-Fällen ins Ausland bis Mitte Februar um rund 70 Prozent verringert. Ohne diese wären bis 15. Februar 779 Sars-CoV-2-Fälle exportiert worden, schreiben die Autoren um Alison Galvani von der US-Universität Yale in der am Freitag in „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) veröffentlichten Studie.

In Südkorea stieg die Zahl der erfassten Corona-Infektionen bei zuletzt rückläufiger Tendenz bei den neuen Fällen wieder auf mehr als 8.000. Am Freitag seien 107 Neuinfektionen festgestellt worden, teilten die Gesundheitsbehörden am Samstag mit.

Iran weiter stark betroffen

Außerhalb von Europa war vor allem der Iran weiter schwer von der Krise getroffen. Am Samstag stieg die Zahl der Coronavirus-Opfer drastisch an. Innerhalb von nur 24 Stunden habe sich die Anzahl der Toten von 514 auf 611 erhöht, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Kianush Dschahanpur, in Teheran. Die Zahl der offiziell erfassten Ansteckungen mit Sars-CoV-2 stieg in Tagesfrist um 1.365 auf 12.729.

Trump auf Corona getestet

US-Präsident Donald Trump rief wegen der Ausbreitung des Coronavirus in den USA einen nationalen Notstand aus. Mit der Maßnahme würden weitere Bundesmittel in Höhe von bis zu 50 Milliarden Dollar zur Bekämpfung des Coronavirus Sars-CoV-2 freigesetzt, sagte Trump. Das von den Demokraten kontrollierte US-Repräsentantenhaus winkte mit einer überwältigenden Mehrheit von 363 zu 40 Stimmen ein Hilfspaket zur Bewältigung der Coronavirus-Krise durch. Es sieht unter anderem eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und kostenlose Coronavirus-Tests vor.

Trump ließ sich indes unter wachsendem Druck selbst auf das Coronavirus testen. Er sagte bei einer Pressekonferenz am Samstag im Weißen Haus, er habe sich dem Test am Vorabend unterzogen. Ein Ergebnis werde erst ein oder zwei Tage nach dem Test vorliegen.

Große Anstrengung zur Eindämmung des Virus

Trump war am vergangenen Wochenende mit einem Mitglied einer brasilianischen Delegation in Kontakt, das US-Medienberichten zufolge mit Trump für ein Foto posierte und das später positiv auf das Virus getestet wurde.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Stephanie Grisham, hatte am Donnerstag mitgeteilt, Trump habe fast keinen Umgang mit der Person gehabt. Es gebe daher keine Notwendigkeit für einen Test. Das Weiße Haus hatte am Freitagabend ein Schreiben des Arztes des Weißen Hauses verbreitet, in dem es hieß, Trump zeige keine Symptome von Covid-19. Ein Test sei daher nicht angezeigt.

In der Pressekonferenz am Samstag erklärte Trump weiters: „Bis jetzt haben wir nur 50 Todesfälle“. Er verwies auf die Anstrengungen seiner Regierung zur Eindämmung des Coronavirus.

Positive Fälle auch in Namibia und Eswatini

In Afrika sind weitere Fälle des neuen Coronavirus bekannt geworden. Namibia und das Gebirgskönigreich Eswatini (ehemals Swasiland) gaben ihre ersten Fälle bekannt.

Karibikstaaten ebenfalls betroffen

Das Coronavirus breitete sich inzwischen auf 17 der 20 Länder Lateinamerikas aus. Zuletzt wurden am Freitag in Venezuela, Guatemala und Uruguay erste Fälle bekannt. Nur in den mittelamerikanischen Ländern Nicaragua und El Salvador sowie im Karibikstaat Haiti wurden keine Infektionen bestätigt, so die Behörden der jeweiligen Länder sowie die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Auch in Belize und Suriname, die wegen ihrer Amtssprachen nicht zu Lateinamerika gezählt werden, gibt es bisher keine bekannten Fälle. In der Karibik sind mehrere weitere Gebiete von der Pandemie betroffen - darunter Jamaika, Puerto Rico, Trinidad und Tobago und einige französische Überseegebiete.

Die Lage in Südamerika

Mehrere Länder der Region ergriffen in den vergangenen Tagen verstärkt Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Einige von ihnen riefen den Notstand aus, manche suspendierten den Flugverkehr aus Europa. In Südamerika schloss Kolumbien am Samstag seine Grenze zu Venezuela. El Salvadors Präsident Nayib Bukele rief eine „nationale Quarantäne“ aus - für drei Wochen dürfen keine Ausländer das mittelamerikanische Land betreten.

Den ersten registrierten Fall in Lateinamerika gab es in dem bevölkerungsreichsten Land Brasilien am 26. Februar. Dort wurden inzwischen 98 Infektionen mit dem Virus gezählt - die meisten in der Region. Brasiliens Gesundheitsministerium bestätigte am Freitag auch erste Fälle örtlicher Übertragung in São Paulo und Rio de Janeiro. Drei Menschen starben bisher nach offiziellen Angaben in Lateinamerika an der Krankheit Covid-19 - zwei in Argentinien und einer in Panama.

apa