<b>von Florian Mair</b><BR /><BR />Bei diesem Einsatz ist Teamarbeit zu spüren, denn die Zusammenarbeit mit den Freiwilligen Feuerwehren von Naraun, Tisens und Prissian funktioniert perfekt. Auch die Wildbach- und Lawinenverbauung, die Forstbehörde und die Gemeinde sind involviert. <b><BR /><BR />Herr Mair, derzeit haben Sie als Landesgeologe besonders den Tisner Ortsteil Gfrill im Blick. Warum? </b><BR />Volkmar Mair: Unterhalb der beiden Hofstellen Dirling und Nörderer ist eine große Rutschung im Gang. Eine Waldfläche von etwa 2 Hektar bewegt sich langsam in Richtung Prissianer Bach. Zwischen Bach und Anbruchstelle liegt der Höhenunterschied bei 100 Metern. <BR /><BR /><b>Um wie viel Material handelt es sich in etwa?</b><BR />Mair: Die Rutschung hat ein geschätztes Volumen von rund 200.000 Kubikmetern. Auf einem Lkw kann man zwischen 12 und 15 Kubikmeter Material transportieren. Montagabend ist die Rutschung relativ schnell gestartet. Außer an einer Stelle, wo bereits Material im Bachbett liegt, fließt der Prissianer Bach normal. Am Dienstagnachmittag hat es an einer Stelle eine kleinere Rutschung gegeben. Und zwischen Dienstagabend und Mittwochfrüh ist die Rutschung dann fast zum Stillstand gekommen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1045074_image" /></div> <BR /><BR /><b>Warum ist es überhaupt zu dieser Rutschung gekommen?</b><BR />Mair: Grund dafür ist eine Kombination zwischen den intensiven Niederschlägen im Herbst, der Schneeschmelze und der zuletzt lang anhaltenden Regenfälle. Der Grundwasserspiegel ist hoch. Wie es weitergeht, hängt auch vom Wetter ab. Ich sehe in den Hang nicht hinein, glaube aber, dass sich die Situation weiter beruhigen wird. Der größte Druck dürfte aus meiner Sicht bereits aus dem Hang entwichen sein, sonst wäre die große Rutschung wohl nicht so schnell langsamer geworden. <BR /><BR /><b>Ist Prissian in Gefahr, weil der Bach durchs Dorf fließt?</b><BR />Mair: Nein, momentan nicht. Solange das Wasser ohne Hindernisse fließen kann, passiert sicher nichts. Das Material, das in Bewegung ist, wird auch zu keinen Schlammmuren führen. Die Lage wird genau beobachtet. Bei diesem Einsatz ist Teamarbeit zu spüren, denn die Zusammenarbeit mit den Freiwilligen Feuerwehren von Naraun, Tisens und Prissian funktioniert perfekt. Auch die Wildbach- und Lawinenverbauung, die Forstbehörde und die Gemeinde sind involviert. Über jedes mögliche Szenario haben wir diskutiert, weshalb wir auf alles vorbereitet sind und sofort eingreifen können. <BR /><BR /><b>Und wie steht es um die Sicherheit der beiden Hofstellen Dirling und Nörderer?</b><BR />Mair: Beide Hofstellen befinden sich in sicherer Entfernung zum Rutschgebiet. <BR /><BR /><b>Stimmt es, dass das Rutschgebiet oberhalb von Grissian, das vor fast 25 Jahren in aller Munde war, und jenes unterhalb der Höfe Dirling und Nörderer in Gfrill ähnlich aufgebaut sind?</b><BR />Mair: Die Bodenschichten sind mehr oder weniger gleich. In beiden Gebieten sind gipsführende Schichten zu finden, die anfällig für Rutschungen sind. <BR /><BR /><b>Hat es unterhalb der Höfe Dirling und Nörderer schon früher Rutschungen gegeben?</b><BR />Mair: Ja, bei der aktuellen Rutschung handelt sich um eine alte, die reaktiviert wurde. Weil im Gebiet kerzengerade Tannen und Fichten mit einem großen Durchmesser stehen, die 200 Jahre und zum Teil auch älter sind, können wir mit Sicherheit sagen, dass eine Rutschung reaktiviert wurde, die mindestens 200 Jahre Ruhe gegeben hat.