Freitag, 25. November 2016

In Italien geschützt, in Südtirol im Visier

Mit den neuen Durchführungsbestimmungen können Wildarten, die italienweit als geschützt gelten, in Südtirol trotzdem ins Visier der Jäger geraten. Diese Abweichungsmöglichkeit ist einzigartig in Italien.

Murmeltiere stehen in Italien unter Schutz. In Südtirol können sie trotzdem gejagt werden.
Badge Local
Murmeltiere stehen in Italien unter Schutz. In Südtirol können sie trotzdem gejagt werden.

Wie berichtet, hat der Ministerrat in Rom am Donnerstag zwei Durchführungsbestimmungen zur Jagd genehmigt. Laut einer der beiden Durchführungsbestimmungen ist die Jagd in Südtirols Naturparks – im Unterschied zum restlichen Staatsgebiet – nicht absolut verboten sondern weiterhin möglich.

Die zweite Bestimmung lässt es zu, bei den jagdbaren Arten von den staatlichen Vorschriften abzuweichen. Italienweit geschützte Wildarten können in der Region Trentino-Südtirol als jagdbar erklärt werden, sofern es ein positives Gutachten des staatlichen Institutes ISPRA (Istituto Superiore per la Protezione e la Ricerca Ambientale) gibt.

Diese Abweichungsmöglichkeit ist einzigartig in Italien. Sie könnte für einige Wildarten wie etwa Murmeltiere in Erwägung gezogen werden, also für häufig auftretende Arten, die in Südtirol einer Regulierung bedürfen, da sie große Schäden verursachten, hieß es am Freitag. Landeshauptmann Kompatscher, Landesrat Arnold Schuler und Landesjägermeister Berthold Marx hatten zu einer Pressekonferenz gerufen, um über die Inhalte und die Auswirkungen der neuen Durchführungsbestimmungen zu informieren. Die derzeitige Handhabung mit Sonderabschüssen sei zwar möglich, hieß es, bedeute aber einen großen Verwaltungsaufwand. Der Schutzstandard werde aufgrund dieser Neuregelung nicht sinken.

Jagd als „Wildmanagement“

Im Unterschied zum restlichen Staatsgebiet werde in Südtirol flächendeckend eine "caccia controllata" - die Auslesejagd – ausgeübt, betonte Landesjägermeister Marx. Hauptziel sei es, die ökologischen Gleichgewichte aufrechtzuerhalten. Diese Auslesejagd stimme in ihren wesentlichen Punkten mit den Vorgaben für die Regulierung der Wildtierfauna laut dem staatlichen Jagdrahmengesetz überein. "Jagd ist Wildmanagement", schloss der Landesjägermeister. "Wenn sich der Mensch zurückzieht, leidet die Artenvielfalt", meinte indessen der Geschäftsführer des Südtiroler Jadgverbandes Heinrich Aukenthaler.

Derzeit gibt es in Südtirol 6085 Jäger, was 1,3 Prozent der Bevölkerung entspricht, davon sind 335 Frauen, also 5,5 Prozent der Jägerschaft. Die Revierfläche umfasst 607.523 Hektar. Die Schalenwildabschüsse pro Jäger und Jahr belaufen sich auf 2,5, die Niederwildabschüsse auf 3,2.

stol

stol