Wie lebendig Geschichte sein kann, zeigte eine Begegnung am Dienstagnachmittag in der Klausner Oberstadt vor dem Haus Nr. 31, dem Geburtshaus von Peter Walpot. Es handelt sich dabei um eine zentrale Figur der hutterischen Gemeinschaft.<BR /><BR />Bei einem Festakt in Klausen wurde an Walpot erinnert und die Gedenktafel enthüllt. Eingeladen hatte der Hutterer Arbeitskreis Tirol & Südtirol gemeinsam mit dem Kulturgüterverein Klausen (KGV) und Schülern der Klassen 3C und 3H der Mittelschule Klausen. <h3> Gäste aus Kanada</h3>Eigens dazu waren Gäste aus der fernen kanadischen Provinz Manitoba angereist: Lehrer Konrad Hofer, seine Frau Dwyla sowie die Prediger Kenny Wollmann und John Maendel sind Mitglieder der hutterischen Gemeinde in Kanada. „Hier in Klausen haben unsere Vorfahren vor über 500 Jahren gelebt, hier liegt ein Teil unserer Wurzeln“, sagte Hofer. Es sei ein tiefes Erlebnis, hier zu sein.<BR /><BR />Begrüßt wurden die Anwesenden von Barbara Aichner Watschinger, der stellvertretenden Präsidentin des Kulturgütervereins. Sie dankte allen, die das Projekt möglich gemacht haben, allen voran Robert Hochgruber, dem Vorsitzenden des Hutterer-Arbeitskreises, und den beteiligten Mittelschülern. Mit den Worten „Schön, dass wir hier sind“ übergab Hochgruber das Wort an die Schüler. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="951961_image" /></div> <BR /><BR />Sie hatten sich im vergangenen Schuljahr mit ihren Lehrern und Hochgruber intensiv mit den Hutterern beschäftigt und stellten in einem Dialog deren teilweise von Verfolgung geprägte Geschichte nach. „Es war cool und spannend zu erfahren, wie die Hutterer heute noch leben“, sagten die Schüler, auf das Projekt angesprochen. <BR /><BR /> Wie präsent Walpot heute noch ist, bewiesen die Hutterer gegen Ende der Veranstaltung, als sie ein Lied anstimmten. Das Väterlied erzählt in hutterischer Mundart ihre leidvolle Geschichte und wird noch heute bei wichtigen Anlässen gesungen. Dem Klausner Peter Walpot sind dabei 5 Strophen gewidmet.<BR /><BR />WER WAR PETER WALPOT?<BR /><BR /><BR /> Peter Walpot wurde um 1518 in der Klausner Oberstadt, heute Nr. 31, geboren. Als 8-Jähriger erlebte er in Klausen die Verbrennung des Täuferpioniers Jörg Blaurock auf dem Scheiterhaufen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="951964_image" /></div> <BR />Walpot schloss sich später mit seiner Frau Margaret Egger den verfolgten Hutterern in Tirol an. 1540 flohen sie nach Mähren im heutigen Tschechien, wo er 1542 zum Prediger und 1565 zum Oberhaupt gewählt wurde. Als herausragende Persönlichkeit prägte er das „Goldene Zeitalter“ der etwa 30.000 in Gütergemeinschaft lebenden Hutterer. Von Walpot sind Briefe, pädagogische Schriften und Lieder überliefert. Er starb 1578 in Mähren. <BR />Die Hutterer sind eine christliche Kirche, die im 16. Jahrhundert während der Reformation aus der Täuferbewegung in Tirol hervorgegangen ist. Immer wieder blutig verfolgt, flohen sie zunächst nach Mähren, später mussten sie in die USA und nach Kanada auswandern. Heute leben dort mehr als 57.000 Nachkommen auf rund 535 gütergemeinschaftlich geführten Höfen. Sie sprechen nach wie vor Hutterisch, einen Tiroler/Kärntner Dialekt.<BR /><BR />