Samstag, 11. Juli 2015

In Myanmar blüht die männliche Prostitution

Myanmar war unter der Militärdiktatur eine Angstgesellschaft, konservativ dazu. Seit der Öffnung wird das Leben bunter. Jetzt blüht auch die männliche Prostitution – eine Gesetzeslücke macht's möglich.

Früher ein beliebtes Erkennungssymbol der Szene: Ein weißes Hemd mit Kugelschreiber oder roter Rose in der Brusttasche.
Früher ein beliebtes Erkennungssymbol der Szene: Ein weißes Hemd mit Kugelschreiber oder roter Rose in der Brusttasche. - Foto: © shutterstock

Seit dem Ende der Militärherrschaft hat sich die einst verschlafene Hafenstadt Rangun rasant entwickelt: Geschäfte, Cafes, Hotels, Firmen schießen seit 2011 aus dem Boden – und einschlägige Massagesalons, „nur für Männer“.

Das buddhistische Land in Südostasien ist in seinen Moralvorstellungen bis heute eigentlich höchst konservativ. Kein Sex vor der Ehe, Töchter wohnen bis zur Heirat zu Hause – das ist völlig üblich. Prostitution ist streng verboten, aber trotzdem floriert neuerdings vor allem das Geschäft mit käuflichem Männer-Sex. Die Gesetzeshüter sind nach eigenen Angaben machtlos.

Im Stadtteil Sanchaung nahe dem berühmten Wahrzeichen der Stadt, der goldenen Shwedagon-Pagode, liegen in manchen Straßen gleich mehrere einschlägige Bars und Clubs. „Arbeit zu finden ist kinderleicht. Die Etablissements suchen ständig junge, smarte Leute“, sagt Kaung Thura (28). Er hat zwei Jahre in einem Salon gearbeitet. „Ich brauchte Geld fürs Studium“, sagt er. „Es ist riskant, weil acht von zehn Kunden Kondome ablehnen.“ Jetzt hat er einen Job in einem Hotel gefunden.

Weißes Hemd und Kugelschreiber als Erkennungssymbol

Männliche Prostituierte gab es früher auch schon, sagt Maung Maung Nyunt (52). Er verkauft am Bogyoke-Markt mitten in der Stadt Andenken, ein populäres Revier für Männer auf Partnersuche. „Sie trugen als Erkennungszeichen immer ein weißes Hemd und einen Kugelschreiber oder eine rote Rose in der Brusttasche.“

Seit es die Salons gibt, sieht er weniger. Heute arrangieren sich viele auch über Handy und Internet. Das war bis vor kurzem fast unmöglich. Nach offiziellen Angaben hatten 2012 nur zehn Prozent der Menschen Handys. Heute sind es 60 Prozent, in den Städten mehr. Mit Internetzugang verhält es sich ähnlich. Viele Prostituierte bieten nun Dienste über den Kurznachrichtendienst Viber oder Facebook an.

Polizei kontrolliert nur weibliche Prostituierte

Da Prostitution verboten ist, verfolgt die Polizei weibliche Prostituierte. „Sie nehmen sie fest, aber männlichen Prostituierten passiert so etwas nie“, sagt Hnin Hnin Yu, Vorsitzende eines informellen Netzwerks von Sexarbeiterinnen in Myanmar. Dass Männer nicht verfolgt werden, erklärt die Polizei mit einer Gesetzeslücke. Der Text sei so formuliert, dass sich nur weibliche Prostituierte strafbar machen, sagt ein ranghoher Polizeioffizier. „Das Antiprostitutionsgesetz gibt uns keine Handhabe gegen Männer.“

Das Netzwerk sorgt sich um die Ausbreitung von HIV. Zahlen sind schwer zu finden, die UN-Aids-Behörde UNAIDS schätzt, dass 190.000 Menschen infiziert sind. Das entspräche einer Rate von 0,6 Prozent, etwa halb so viel wie im Nachbarland Thailand. Die Abgeordnete Sandar Min wollte die Prostitution legalisieren, scheiterte damit aber 2013 im Parlament.

apa/dpa

stol