Braindrain, demografischer Wandel, oder „die Jungen fahlen“. Allerhand negative Schlagzeilen, die sich rund um die Abwanderung in Südtirol ranken. Dabei gibt es durchaus auch junge Südtiroler, wie Jungbauer und Parkourläufer Alexander Oberhofer, die sich bewusst dazu entscheiden, hierzubleiben.<BR /><BR />Manch einem mag sein Gesicht bekannt vorkommen: Auf Instagram teilt er als alex_flyingart_1996 seine Leidenschaft für den Parkour. Mit seinen waghalsigen Stunts will er dabei nicht nur unterhalten, sondern auch andere dazu anspornen, selbst aktiv zu werden.<BR /><BR />Im Interview erklärt uns der 29-jährige Vinschger, woran es den jungen Menschen hier im Land fehlt und warum er trotzdem bleibt.<BR /><BR /><b>Wie ist deine aktuelle Wohnsituation?<BR /></b>Alexander Oberhofer: Ich wohne derzeit noch bei meinen Eltern in Latsch. Da ich als Apfelbauer für unseren Familienbetrieb arbeite, habe ich in absehbarer Zeit auch nicht vor, in eine eigene Wohnung zu ziehen. Denn zu Hause bin ich eigentlich nur zum Schlafen – die meiste Zeit verbringe ich mit der Arbeit oder beim Sport: Nebenberuflich bin ich als Trainer oder Aufsichtsperson in Trampolinhallen tätig und montiere Hagelnetze; da bleibt neben Parkour, Cliff-Diving, Klettern und Trampolinspringen kaum Zeit für anderes. Allerdings könnte ich mir vorstellen, unser Haus in Zukunft zu renovieren oder auszubauen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1131603_image" /></div> <BR /><BR /><b>Hast du in der Vergangenheit bereits außerhalb von Südtirol gelebt, oder könntest du es dir in Zukunft vorstellen?</b><BR />Oberhofer: Nach der Oberschule habe ich für ein Praktikum in der Landwirtschaft ein paar Monate in Neuseeland verbracht. Es war schön dort – die Menschen waren aufgeschlossener und weniger engstirnig als in Südtirol. Dennoch habe ich nicht vor, Südtirol den Rücken zu kehren.<BR /><BR /><b>Was hält dich hier?<BR /></b>Oberhofer: Für mich stand stets fest, dass ich den elterlichen Hof in Latsch übernehmen möchte. Ein Leben im Ausland kam und kommt daher für mich nicht infrage.<BR /><BR /><b>Was macht Südtirol für dich lebenswert?<BR /></b>Oberhofer: Zum einen die Natur – das mediterrane Klima umgeben von Bergen, die 4 Jahreszeiten, die wir hier noch genießen können, die gute Luft...Zum anderen die Dorfgemeinschaft. Hier in Latsch kennt jeder jeden, es gibt einen starken familiären Zusammenhalt. Aber auch die Regionalität spielt für mich eine große Rolle: Egal ob Kartoffeln oder Gemüse – alles, was ich brauche, gibt es direkt vor Ort.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1131894_image" /></div> <BR /><BR /><b>Siehst du ungenutztes Potenzial, um Südtirol für junge Menschen attraktiver zu machen?<BR /></b>Oberhofer: Definitiv, hier gibt es noch viel Nachholbedarf. Zum einen was den Sport angeht: Als jemand, der verschiedene Sportarten betreibt, habe ich oft das Gefühl, dass Fußball und Eishockey stark gefördert werden; während andere, weniger verbreitete Sportarten kaum Unterstützung erhalten. Das finde ich schade, denn gerade für Jugendliche und junge Menschen ist es wichtig, sich auszupowern. Um die jungen Leute trotzdem anzuspornen, teile ich meine Leidenschaft für den Sport auf Instagram. Aber auch das Nachtleben und die damit verbundenen Anbindungen lassen stark zu wünschen übrig – ganz zu schweigen vom Wohnungsmarkt hier im Land.<BR /><BR /><b>Wo siehst du dabei die größten Probleme im Nachtleben?<BR /></b>Oberhofer: Veranstaltungen über die Bühne zu bringen, wird immer schwieriger, da behördlichen Auflagen immer strenger werden. Die Zahl der Nachtlokale und Events nimmt stetig ab. Zudem fahren die Nightliner – anders als früher – freitags überhaupt nicht mehr und samstags nur noch vereinzelt. Rückmeldungen dieser Art höre ich als Trainer auch oft von meinen Schülern.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1131897_image" /></div> <BR /><BR /><b>Welche Schwierigkeiten gibt es für junge Menschen auf dem Wohnungsmarkt ?<BR /></b>Oberhofer: Für junge Menschen hier im Land wird es immer schwieriger auszuziehen und auf eigenen Beinen zu stehen. Wer nichts geerbt hat, kann es sich kaum mehr leisten, in ein Eigenheim zu investieren. Auch die Mietpreise sind viel zu hoch. Dass es so viele junge Menschen ins Ausland verschlägt, wundert mich daher nicht.