Montag, 26. April 2021

Indische Variante auch in Venetien: Ein Grund zur Sorge?

Die indische Variante des Coronavirus wurde nun auch in Venetien nachgewiesen. Über ihre Gefährlichkeit gibt es derzeit keine Gewissheit: Die WHO warnt vor voreiligen Schlüssen.

Eine neue Mutante aus Indien sorgt für Unruhe: Allerdings ist bisher nicht klar, ob diese Variante gefährlicher ist als bisher bekannte.
Eine neue Mutante aus Indien sorgt für Unruhe: Allerdings ist bisher nicht klar, ob diese Variante gefährlicher ist als bisher bekannte. - Foto: © Shutterstock / shutterstock
„Es sind 2 indische Bürger aus Bassano, Vater und Tochter, mit der indischen Variante. Varianten gibt es inzwischen tausende, und früher oder später kommen sie alle auch zu uns. Wir beschäftigen uns Tag für Tag mit diesen Aspekten und machen weiter“, sagte der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia. Bereits im März war ein Fall in Florenz bekannt geworden. Italien hatte die Einreise aus Indien eingeschränkt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt angesichts der in Indien aufgetauchten Corona-Variante B.1.617 vor voreiligen Schlüssen. Die Organisation beobachtet die Virusvariante, hat sie aber noch nicht als besorgniserregend eingestuft, wie eine WHO-Sprecherin auf Anfrage am Montag in Genf mitteilte.

Bisher sei nicht klar, in welchem Ausmaß die Variante für den rapiden Anstieg der Fälle in Indien mitverantwortlich ist. Es gebe viele Faktoren, die dazu beigetragen haben könnten. So hätten in jüngster Zeit Feste und Veranstaltungen mit vielen Teilnehmern stattgefunden. Zudem verbreite sich B.1.617 neben anderen ansteckenderen Varianten wie der zuerst in Großbritannien nachgewiesenen Variante B.1.1.7.

Ob B.1.617 mehr schwere Krankheitsverläufe auslöse und damit zu höheren Todeszahlen beitrage, sei bisher ebenfalls nicht klar, sagte die Sprecherin. Die höheren Todeszahlen könnten auch daran liegen, dass Kliniken ihre Kapazitätsgrenzen erreicht haben.

In Indien waren am Montag gut 350.000 Infektionen innerhalb von 24 Stunden gemeldet worden, mehr, als je ein Land in so kurzer Zeit gemeldet hat. Indien mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern hat mehr als 17 Millionen Infektionen erfasst. In absoluten Zahlen ist das Land damit hinter den USA am härtesten von der Pandemie betroffen.

Können Mutationen Antikörper neutralisieren?

Als besorgniserregend – „Variant of Concern“ – hat die WHO neben B.1.1.7 etwa die in Südafrika entdeckte Variante (B.1.351) und die in Brasilien entdeckten Variante (P.1) eingestuft. Als besorgniserregend gilt eine Variante nach WHO-Angaben, wenn bekannt ist, dass sie sich leichter ausbreitet, schwerere Krankheiten verursacht, dem Immunsystem entgeht, das klinische Erscheinungsbild verändert oder die Wirksamkeit der bekannten Instrumente verringert.

Die Variante B.1.617 hat 2 Mutationen an einem Oberflächenprotein, die von anderen unter Beobachtung stehenden Linien bekannt sind. Allerdings traten die beiden Mutationen nach Angaben der WHO bisher nicht zusammen in einer Variante auf. B.1.617 wurde erstmals am 1. Dezember 2020 in Indien nachgewiesen.

Eine der Mutationen, L452R, könne Einfluss auf die Effizienz von Behandlungen mit monoklonalen Antikörpern haben. Die andere Mutation, E484Q, könne womöglich Antikörper neutralisieren, die bei einer früheren Infektion gebildet worden waren. Dann wären Genesene nicht mehr vor einer neuen Infektion geschützt.

Auf der Plattform Gisaid, die genetische Sequenzen von Grippe- und Coronaviren enthält, seien bis 23. April mehr als 850 Sequenzen dieses Virus aus mehr als 18 Ländern hochgeladen worden. Die meisten kamen aus Indien, Großbritannien, den USA und Singapur. Das gibt allerdings kein akkurates Bild der Verbreitung, da viele Länder deutlich weniger sequenzieren, andere mangels Kapazität gar nicht.

ansa/apa/dpa/stol