Freitag, 12. Juni 2020

Indonesien: Serie von Leichendiebstählen

Nach einer Serie von Leichendiebstählen durch Angehörige, die ihre gestorbenen Familienmitglieder trotz der strengen Corona-Vorschriften auf traditionelle Weise bestatten wollen, verstärken die Behörden in Indonesien die Sicherheitsvorkehrungen an Leichenhallen.

In Indonesien kommt es immer häufiger zu Leichendiebstählen. (Symbolbild)
In Indonesien kommt es immer häufiger zu Leichendiebstählen. (Symbolbild) - Foto: © shutterstock
Dort sind jetzt Polizisten und Soldaten postiert, um weitere Vorfälle zu verhindern.Nach den neuesten Vorschriften müssen die Leichen von Corona-Opfern in Plastik gehüllt und schnellstens beerdigt werden.

Die Einhaltung muslimischer Bestattungsriten wie das Waschen der Verstorbenen ist damit nicht mehr möglich. Daraufhin stürmten in dieser Woche große Gruppen von trauernden Hinterbliebenen mehrere Krankenhäuser in Makassar auf der Insel Sulawesi, wie Polizeisprecher Ibrahim Tompo am Freitag berichtete.

33 Verdächtige festgenommen

Einigen sei es gelungen, mit für eine Bestattung nach den neuen Regeln vorgesehenen Leichen zu türmen.
Laut Tompo wurden mindestens 33 Verdächtige festgenommen. Ihnen drohten wegen Verstoßes gegen den Seuchenschutz bis zu 7 Jahre Haft. Als Reaktion auf die Vorfälle sei jetzt zusätzliches Personal zum Schutz der Krankenhäuser abgestellt worden.

Auch in Surabaja, der zweitgrößten indonesischen Stadt, wurden nach Behördenangaben vom Freitag vier Menschen festgenommen, nachdem Verwandte die Leiche eines mutmaßlichen Corona-Opfers aus einer Klinik geschleppt hatten. In Bekasi nahe der Hauptstadt Jakarta gab es einen ähnlichen Vorfall.

Nach Polizeiangaben stahlen Angehörige dort die Leiche eines Mannes, der gestorben war, bevor ein Corona-Testergebnis vorlag. Der Test bestätigte letztlich, dass er mit dem neuartigen infiziert war.
Nach offiziellen Zahlen wurden in Indonesien bisher mehr als 35.000 Infektionen mit dem Coronavirus nachgewiesen, rund 2000 Menschen starben. Da nur wenig auf das Virus getestet wird, dürften die tatsächlichen Zahlen weitaus höher liegen.

apa/afp

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