Donnerstag, 27. August 2020

Sorge um Schulbeginn in Italien

Wegen des Anstiegs der Coronainfektionen wächst in Italien die Sorge wegen der geplanten Wiedereröffnung der Schulen, die seit dem 5. März geschlossen sind. Das Datum für die Wiedereröffnung steht mit 14. September fest, (in Südtirol bereits mit 7.), alles andere ist in vielen Regionen noch unsicher. Chaos gibt es mancherorts bezüglich der Vorsichtsmaßnahmen, die gelten sollen, wenn die Schulen nach mehr als 6 Monaten wieder öffnen sollen.

In Bezug auf den Schulbeginn in Italien sind noch unzählige Baustellen offen.
In Bezug auf den Schulbeginn in Italien sind noch unzählige Baustellen offen. - Foto: © shutterstock
Ein Treffen zwischen Regierung und Regionen, bei dem die Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen zum Start des Schuljahres besprochen wurden, ging ohne konkrete Ergebnisse zu Ende. Gestritten wird unter anderem um die Organisation des öffentlichen Verkehrssystems.

Das wissenschaftliche Komitee (CTS), das die Regierung in Fragen der Pandemie berät, besteht darauf, dass in den öffentlichen Verkehrsmittel zwischen den Passagieren der Abstand von einem Meter eingehalten werde muss. Die Präsidenten der 20 italienischen Regionen kritisierte, dass diese Regel dazu führen würde, dass die Betreiber nur mit 60 Prozent ihrer Kapazität unterwegs sein dürfen. Die Hälfte der Schüler könnte auf diese Weise mit dem Nahverkehr nicht die Schule erreichen. Verkehrsministerin Paola De Micheli stellte sich auf die Seite der Regionen und forderte mehr Flexibilität bei den Abstandsregeln im öffentlichen Transportwesen.

Ein weiteres noch offenes Thema ist der Umgang mit eventuellen Infektionsherden in den Klassen. Der lombardische Präsident Attilio Fontana forderte einen gestaffelten Unterrichtsbeginn. „Es ist offenkundig, dass es zu einer Änderung in der Organisation des Schulwesens kommen muss. Einige Schulklassen könnten Nachmittagsunterricht erhalten. Dieser mit Fernunterricht gekoppelt würde die öffentlichen Verkehrsmittel entlasten“, erklärte Fontana.

Lieferungen kommen erst im Oktober

Am 7. September sollen in Italien die ersten Einzeltische zugestellt werden, die von den Schulen bestellt wurden. Geliefert werden sie von elf Unternehmen, die von der Regierung den Auftrag zur Herstellung von rund zwei Millionen Einzelbänken erhalten haben. Alle Tische sollen bis spätestens Ende Oktober an die Schulen ausgeliefert werden, berichtete Regierungskommissar Domenico Arcuri.

Der Verband der Schuldirektoren erklärte sich besorgt, dass bis zum 14. September nicht alle Schulen die notwendigen Räumlichkeiten gefunden haben könnten, um zusätzliche Klassen unterzubringen. Wegen des Regierungsbeschlusses, kleinere Klassen zusammenzustellen, besteht Bedarf für zusätzliche Räumlichkeiten, für die unter anderem Theater, Kinos und Museen verwendet werden sollen.

Diskutiert wird auch über Antikörpertests. Die Regierung will, dass sich das Schulpersonal diesen freiwillig unterzieht. Unter den Schülern sollen stichprobenartig Tests durchgeführt werden. Lediglich ein Drittel der Lehrerschaft signalisierte jedoch bisher Bereitschaft, die kostenlosen Tests zu machen.

Der Schulstart ist ein heikler Punkt für die Mitte-Links-Regierung in Rom. Denn viele Eltern hatten in der Hochphase der Pandemie beklagt, dass die Politik die Probleme von Familien mit Kindern nicht genug beachtet habe.

Fachleute weisen darauf hin, dass sich immer mehr junge Menschen in Italien anstecken. Insgesamt fallen inzwischen mehr als die Hälfte der Neuansteckungen mit dem SARS-CoV-2-Virus in die Altersgruppe zwischen 19 und 50 Jahren. Über 35.000 Personen sind seit Beginn der Epidemie Ende Februar in Italien am Virus gestorben.

apa/stol

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