Freitag, 20. November 2020

Friaul: Infektionsherd in Gefängnis

Im Friaul Julisch Venetien herrscht Sorge wegen eines Corona-Infektionsherd im Hochsicherheitsgefängnis von Tolmezzo.

Auch in Gefängnissen kommt es zu zahlreichen Infektionen.
Auch in Gefängnissen kommt es zu zahlreichen Infektionen. - Foto: © shutterstock
132 positive Fälle wurden dort gemeldet, 116 davon betreffen Gefängnisinsassen. Das ist rund die Hälfte der 203 Sträflinge in der Anstalt.

Der friaulische EU-Parlamentarier Marco Zullo sprach von einer „dramatischen Situation“, die unter anderem auf das Problem der Überbelegung der Strafanstalt zurückzuführen sei. Er rief Justizminister Alfonso Bonafede zum Handeln auf, um weitere Infektionsherde in den Strafanstalten zu vermeiden.

12 Tote bei Revolten

Nachdem Italien Ende Februar als erstes Land in Europa von der Coronavirus-Epidemie getroffen wurde, waren in den Gefängnissen Revolten ausgebrochen. Die Haftanstalten leiden schon seit Jahren unter Überlastung, wie Menschenrechtsorganisationen immer wieder betonten. Die Insassen protestierten gegen Einschränkungen beim Besuch von Angehörigen.

Bei den Revolten starben mindestens zwölf Menschen, die meisten von ihnen an Drogenüberdosen, nachdem sie in den Ambulanzen der Gefängnisse Medikamentenlager geplündert hatten. 54.900 Personen sind in den italienischen Gefängnissen inhaftiert, in denen es eigentlich nur Platz für maximal 50.500 Menschen gäbe.

Im vergangenen Frühjahr hatte die Regierung zur Entlastung der Strafanstalten mehrere ältere Häftlinge freigelassen oder unter Hausarrest gestellt, darunter 300 Mafiosi und Drogendealer. Damit hatte sich der Justizminister herbe Kritik zugezogen, woraufhin die Maßnahmen rückgängig gemacht wurden.

apa/stol

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