<BR /><BR /><b>Wann wird Internetkonsum bei Kindern und Jugendlichen problematisch?<BR /></b>Oskar Giovanelli: Wenn Kinder oder Jugendliche das Internet gezielt einsetzen, um der Realität zu entfliehen oder um Langeweile um jeden Preis zu vermeiden. Besonders kritisch ist das, wenn bereits psychische Belastungen wie ADHS oder soziale Phobien vorliegen.<BR /><BR /><BR /><b>Inwiefern hängt das mit psychischen Belastungen zusammen?<BR /></b>Giovanelli: Übermäßiger Internet- oder Videospielkonsum kann bestehende psychische Probleme verstärken. Bei Jugendlichen mit ADHS oder sozialen Ängsten wirken soziale Medien zwar auf den ersten Blick entlastend, weil man Unangenehmes ausblenden kann. Langfristig lernen sie dadurch aber weniger, mit schwierigen Situationen und anderen Menschen umzugehen. <BR /><BR /><b>Welche Folgen kann das für die Entwicklung haben?<BR /></b>Giovanelli: Viele verlieren an Frustrationstoleranz und haben Schwierigkeiten, ihre Gefühle zu steuern – einfach weil sie das im Internet oder beim Spielen kaum üben müssen. Dabei ist gerade Langeweile wichtig, um eigene Interessen zu entdecken. Hinzu kommt der Dopamin-Effekt: Ein Erfolg im Videospiel fühlt sich oft belohnender an als etwa eine gute Note in der Schule. All das kann sich langfristig stark auf die soziale Kompetenz und damit auf das weitere Leben auswirken.<BR /><BR /><b>Wie läuft in solchen Fällen eine Suchtdiagnose ab?<BR /></b>Giovanelli: Wir gehen mit Diagnosen grundsätzlich sehr vorsichtig um und vergeben sie nicht vorschnell. Wichtig ist zu wissen, dass man nicht einfach von „Internetsucht“ spricht. Eine Diagnose kommt nur dann infrage, wenn das problematische Nutzungsverhalten klar mit einer Videospielsucht zusammenhängt. <BR /><BR /><b>Wie viele Anfragen betreffen ausschließlich Videospielsucht?<BR /></b>Giovanelli: Etwa 60 bis 70 Prozent der Anfragen. In den übrigen Fällen geht es um den Missbrauch von legalen Substanzen. Derzeit kümmern wir uns um etwa 125 Personen.