Donnerstag, 12. November 2015

IS: Mitglieder der Meraner Terrorzelle in Haft

Seit vier Jahren ermittelt die Antiterroreinheit der Carabinieri von Trient im Fall der fundamentalistischen Terroristen, die von einer Wohnung in Meran aus agierten. Sechs Mitglieder wurden in Südtirol ausgeforscht. Am Donnerstagmorgen klickten schließlich die Handschellen.

Sechs mutmaßliche fundamentalistische Terroristen wurden in Südtirol dingfest gemacht.
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Sechs mutmaßliche fundamentalistische Terroristen wurden in Südtirol dingfest gemacht.

Er heißt Nauroz Abdul Rahman, Kurde aus dem Irak, und wohnhaft in Meran. Und er ist der Kopf des italienischen Ablegers einer Europa-weit vernetzten Terrororganisation mit oberstem Drahtzieher in Norwegen (STOL hat berichtet). 

Über Internetseite zum Terrornetzwerk 

Rahman hatte mehrfach Zugriff auf eine Internetseite. Diese hatte klaren auf Dschihadisten ausgerichteten Inhalt und kann auch mit Inhalten von Al Qaida in Verbindung gebracht werden.

Es war diese Plattform, die die Sonderermittler der Carabinieri in Rom 2010 auf die Fährte des Netzwerkes brachte und schlussendlich zur Terrorzelle in Meran führte. 

Meraner Zelle überwacht und Mitglieder ausgeforscht

Seither liefen die Ermittlungen und Überwachungen durch die Antiterroreinheit der Carabinieri von Trient - unterstützt durch die Bozner Ordnungshüter. 

Insgesamt sechs mutmaßliche fundamentalistische Terroristen wurden hierzulande ausgeforscht. "Sie alle kamen in den vergangenen fünf Jahren nach Südtirol, hielten sich legal hier auf und gingen verschiedenen Arbeiten in der Gastronomie und im Verkauf nach", berichtete der Landeskommandant der Carabinieri Stefano Paolucci am Donerstagnachmittag (und beruhigte die Südtiroler Bevölkerung - siehe hier).

IS-Kämpfer rekrutiert und ausgebildet

Nauroz Abdul Rahman agierte über das digitale Netzwerk hinaus. In seiner Wohnung in Meran soll er Lehrgänge für Rekruten angehalten haben. Auch wurden dort geheime Treffen abgehalten.

Neben Rahman gaben die Carabinieri diese Namen bekannt: Eldin Hodza, Jalal Hasan Saman, Kaml Hama Mahmoud, Ali Abdula Salih, Goran Mohamad Fatah und Ibrahim Jamal.

Am Donnerstagmorgen schlugen die Carabinieri zu. Fündig wurden sie in Meran und in Bozen. Ein Gesuchter saß bereits wegen Raubens in Haft. Ein siebtes Mitglied wurde im Irak ausgeforscht. 

"Der Erfolg der Aktion geht auf jahrelange Ermittlungen und Überwachungen zurück", so der Carabinieri-Chef Stefano Paolucci.

Nach Syrien ins Ausbildungscamp

So wurde etwa der Kosovare Eldin Hodza überwacht, als er mithilfe des Terrornetzwerkes nach Syrien aufbrach, um eine Ausbildung als IS-Kämpfer zu bestreiten. Im Jänner 2014 war er dazu in die Türkei geflogen und hatte es über die syrische Grenze und dort in eine Ausbildungslager unter IS-Führung geschafft. 

Im Februar war Hodza über die Schweiz nach Meran zurückgekehrt. "Dort teilte er seine Erfahrungen mit den Sympathisanten und wollte sie dazu bewegen, ihn neuerlich nach Syrien in den Glaubenskrieg zu begleiten", berichtet Paolucci.

Die gesamten Aktivitäten gehen auf eine Terrororganisation zurück, die vom kurdischen Islamistenführer Mullah Krekar geleitet wird, der von Norwegen aus agiert (STOL hat berichtet).

stol/ker

stol