Freitag, 28. Mai 2021

Ist Benno Neumair zurechnungsfähig? Das sagen die ersten 3 Gutachter

War sich Benno Neumair (30) seiner Tat voll bewusst und bei klarem Verstand, als er seine Eltern Laura Perselli und Peter Neumair am 4. Jänner ermordete? Diese Frage werden insgesamt 11 Gutachter für den bevorstehenden Schwurgerichtsprozess klären. Die Einschätzung von 3 Experten wurde gestern bekannt.

War er beim Mord an seinen Eltern voll zurechnungsfähig? Das ist eine der zentralen Fragen im bevorstehenden Prozess gegen Benno Neumair.
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War er beim Mord an seinen Eltern voll zurechnungsfähig? Das ist eine der zentralen Fragen im bevorstehenden Prozess gegen Benno Neumair. - Foto: © privat
Mehrere Auffälligkeiten im Leben von Benno Neumair summieren sich für die Gutachter der Verteidigung zu einer Diagnose.

Offiziell ist noch nichts. Alle 11 Sachverständigen haben bis zum 8. Juni Zeit, U-Richterin Carla Scheidle ihre Erkenntnisse zu unterbreiten und über diese anschließend im Gerichtssaal zu diskutieren. Da die Auswertung einiger Tests noch nicht beendet ist, ist auch nicht auszuschließen, dass das Trio der Amtssachverständigen – Dr. Eraldo Mancioppi, Marco Samory und Isabella Merzago – die Richterin um einen Aufschub für die endgültige Expertise ersuchen könnte, möglicherweise sogar bis Ende Juni.

Wie gestern aber durchsickerte, sollen sich Dr. Giuseppe Sartori, Pietro Pietrini und Dr. Cristina Scarpazza, die für die Verteidigung an dem Beweissicherungsverfahren teilnehmen, bereits ein Bild gemacht haben. Sie sollen bei Benno Neumair, der in vorbeugender Verwahrungshaft im Bozner Gefängnis einsitzt, eindeutige Anzeichen für eine Persönlichkeitsstörung ausgemacht haben. Entsprechend sollen sie auf eine eingeschränkte Einsichts- und Willensfähigkeit zum Tatzeitpunkt befunden haben.

Verschiedene Auffälligkeiten

Es ist anzunehmen, dass die Gutachter ihre Schlüsse nicht zuletzt aus verschiedenen Auffälligkeiten gezogen haben, die Benno Neumair den Erhebungen zufolge in der Vergangenheit gezeigt hatte. Ein Beispiel ist seine Einlieferung ins Spital Anfang Juli des vorigen Jahres in Ulm, nachdem er seine damalige Freundin mit einem Messer in der Hand erwartet hatte. Die Diagnose lautete auf paranoide Schizophrenie.

Weiters soll es eine beunruhigende Episode gegeben haben, die sich bei einem Urlaub der Familie in Indonesien zugetragen hatte. Und schließlich hatte Benno Neumairs Schwester Madè erklärt, Veränderungen an ihrem Bruder bemerkt zu haben, als dieser die Welt des Bodybuildings für sich entdeckt hatte. Deshalb wird im Rahmen des psychiatrischen Gutachtens auch abgeklärt, inwieweit die Einnahme von Anabolika einen Einfluss auf den seelischen Zustand bzw. das Verhalten des 30-jährigen oder auf mögliche, bereits latente Probleme gehabt haben könnte.

Eine Schizophrenie ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung, die ohne erkennbare körperliche oder seelische Ursachen (z.B. traumatische Erlebnisse) entsteht. Eine Schizophrenie ist vor allem gekennzeichnet durch Realitätsverlust. Erkrankte können Wahnvorstellungen haben, die sie für real halten; sie hören zum Beispiel Stimmen, sehen oder riechen etwas, das gar nicht existiert. Paranoide Schizophrenie-Patienten entwickeln häufig auch Zorn und Angst. Sie sind oft unruhig und streitsüchtig. In sehr seltenen Fällen werden die Betroffenen auch gewalttätig.



rc