Der Anwalt äußert diese Theorie exklusiv in der Wochenzeitschrift „Giallo“, die ab Donnerstag am Kiosk erhältlich ist. Er bittet den Staatsanwalt, zu überprüfen, ob der Mörder von Sharon, Moussa Sangare, womöglich auch für den Mord an Yara Gambirasio verantwortlich sein könnte. <h3> Was war mit Yara passiert?</h3>Das Mädchen aus Brembate di Sopra in der Provinz Bergamo war nach einem Gymnastiktraining im November 2010 nicht mehr nach Hause zurückgekehrt. Erst 3 Monate nach ihrem spurlosen Verschwinden wurde die Leiche des Mädchens rund zehn Kilometer vom Elternhaus entfernt in einem Feld gefunden. Die Gegend rund um den Fundort war in den vergangenen Wochen wiederholt abgesucht worden – ohne Ergebnis. Die Sicherheitskräfte vermuteten deshalb, dass die Leiche erst später dort abgelegt wurde. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1071873_image" /></div> <BR />Nach jahrelangen Ermittlungen haben die Carabinieri im Juni 2014 einen Mann verhaftet, der für den Mord an Yara Gambirasio verantwortlich sein soll: Massimo Giuseppe Bossetti. Ermittler täuschten eine Alkoholkontrolle vor, um an die DNA des Verdächtigen zu kommen. Das Ergebnis ließ keine Zweifel: Zu 99,99999987 Prozent stimmte das Erbgut mit den Spuren auf der Kleidung des getöteten Mädchens überein. <BR /><BR />Die Ermittler hatten zuvor zwei Anhaltspunkte: Zementstaub auf den Kleidern und am Hals des Kindes und DNA-Spuren am Slip. Ein DNA-Abgleich bei rund 18.000 Menschen erbrachte eine teilweise Übereinstimmung bei einem Busfahrer, der jedoch bereits vor der Tat verstorben war.<BR /><BR />Untersuchungen führten die Ermittler zu einer Lebensgefährtin des Busfahrers. Beide hatten einen gemeinsamen Sohn: Bossetti.<h3> Bossetti leugnet Tat</h3>Der 44-jährige Familienvater erklärte sich unschuldig und versicherte, dass er am 26. November 2010, als Yara plötzlich aus ihrem Heimatort Brembate di Sopra verschwunden ist, zu Hause war. <BR /><BR />Er könne sich nicht erklären, warum Spuren seiner DNA auf Yaras Kleidern gefunden wurden. Der am Montag festgenommene Mann versicherte, dass er das Mädchen nicht gekannt hatte. Er habe auch nicht gewusst, dass er der uneheliche Sohn eines 1999 gestorbenen Busfahrers sei, dessen Erbgut mit den DNA-Spuren übereinstimmten, die auf Yaras Kleidern gefunden worden waren. <h3> Rückendeckung von Zwillingsschwester</h3>Rückendeckung erhielt der Angeklagte damals von seiner Zwillingsschwester Laura Letizia. In einem Interview erklärte sie, dass Bossetti unschuldig sei. „Er ist in eine Falle geraten, er ist nicht Yaras Mörder. Das weiß ich hundertprozentig. Ich kenne ihn besser als jeder andere. Er ist ein guter Vater und ein fleißiger Arbeiter. Wir sind eine einfache Familie, die hart arbeitet“, so die Frau. Sie habe auch nicht gewusst, dass sie wie ihr Bruder aus der unehelichen Beziehung ihrer Mutter zum verstorbenen Busfahrer entstanden sei. „Ich verurteile meine Mutter nicht. Sollte diese Geschichte wahr sein, handelt es sich um Dinge, die vor über 40 Jahren geschehen sind“, sagte die Frau.<h3> Prozess und Urteil</h3>Im Jahr 2016 wurde Massimo Bossetti von einem Gericht in Bergamo wegen Mordes an Yara zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen, dass der Maurer aus Mapello am 26. November 2010 Yara mit Stichwunden in den Rücken, den Hals und die Handgelenke verletzt hatte und sie in einem Feld sterbend sich selbst überlassen hatte. <BR /><BR />Vor dem Urteil hatte der damals 46-jährige Bossetti für seinen Freispruch plädiert. Dabei hatte er das Gericht aufgefordert, eine neue Untersuchung der DNA-Spuren anzuordnen, die auf Yaras Kleidung gefunden worden waren. „Wäre ich schuldig, würde ich niemals eine neue DNA-Untersuchung fordern. Es kann nicht mein DNA auf Yaras Leiche sein, weil ich sie nicht getötet habe. Ich kannte sie nicht einmal“, erklärte Bossetti vor den Augen seiner Frau Marita Comi und seiner Zwillingsschwester Laura Letizia. <BR /><BR />Dieses erstinstanzliche Urteil wurde vom Schwurgericht in Brescia bestätigt. Seitdem sitzt Bossetti in Haft.<h3> 2 unbekannte DNA-Spuren</h3> Bossettis Verteidiger will den Fall nun offensichtlich neu aufrollen. Er verweist auf 2 unbekannte DNA-Spuren und auf Haare, die auf Yaras Leiche gefunden worden war, die nie jemandem zugeordnet werden konnten – und auch nicht zu seinem Mandaten gepasst haben. Und bringt Moussa Moussa Sangare ins Spiel.<BR /><BR />„Vergleichen Sie die unbekannte DNA auf Yaras Körper mit dem genetischen Profil des Mörders von Sharon Verzeni“, fordert Salvagni. Denn abgesehen von derselben Art und Weise, wie Sharon und Yara umgebracht worden waren, gibt es auch eine geografische Verbindung in den beiden Fällen. Nach dem Mord an Sharon floh Moussa Sangare auf ein Feld in Chignolo d'Isola, wo am 26. Februar 2011 die leblose Leiche Yaras gefunden wurde. <BR /><BR />„Wir wollen nur, dass die Wahrheit ans Licht“, so Claudio Salvagni abschließend.