Viele machen sich Gedanken darüber, ob ein Unglück wie an der Marmolata mit 11 Toten auch in Südtirol passieren könnte. Besonders der Ortler wird viel begangen und steht daher im Zentrum des Interesses. <BR /><BR />Derzeit gibt es keinen Anlass, in Alarmstimmung zu verfallen, sagt Olaf Reinstadler. Er ist Leiter der Bergrettung Sulden und kennt den Ortler bzw. die Bergwelt drumherum im wahrsten Sinne des Wortes wie seine Hosentasche.<BR /><BR />In jüngster Zeit sind Gerüchte aufgetaucht, dass man den Ortler und weitere Berge derzeit meiden sollte. Der Hintergrund: Nach dem Gletscherbruch an der Marmolata mit 11 Toten – und unter dem Eindruck der Klimakrise bedingten hohen Temperaturen auch im Ortlergebiet – sind viele Bergsteiger skeptisch geworden. <BR /><BR />Kann Derartiges auch bei uns passieren? Dazu kamen dann noch Gerüchte, dass es am Ortler Schmelzwasserläufe gebe, die unter dem Eispanzer auf Nimmerwiedersehen verschwänden. Bilden sich also unterirdische Wasserstuben, die irgendwann ausbrechen könnten und ein Unglück wie an der Marmolata mit sich bringen?<h3> Den Gletschern geht es buchstäblich an den Kragen</h3>Olaf Reinstadler kennt diese Gerüchte gut, er hat auch von ihnen gehört. Derzeit gebe es am Ortler aber keine erhöhte Gefahr, man könne die üblichen Wege normal begehen. Er wolle dabei auch mit Sicherheit nichts vertuschen, wie er ergänzt. Das heurige Jahr habe hohe Temperaturen gebracht, das stimme natürlich. Zudem habe weniger Schnee auf dem Gletscher gelegen, was dazu geführt habe, dass die Hitze das Gletschereis an sich schneller erreicht habe als vielleicht üblich. Vergleichsweise hohe Temperaturen seien aber auch in den vergangenen Jahren nicht unüblich gewesen. <BR /><BR />Dies ändere aber natürlich nichts am Umstand, dass es dem Gletscher grundsätzlich „an den Kragen geht“, wie Olaf Reinstadler bedauert. Was den vermeintlichen Gletscherwasser-Bach betrifft, sei dies kein größeres Problem, solange das Wasser wieder zum Vorschein kommt. Derzeit sei ihm aber kein Fall bekannt, wo dies nicht so sei und wo man Alarm schlagen müsste. <h3> Aktuell keine erhöhte Gefahr, aber Vorsicht ist stets angebracht</h3>Eines unterstreicht der Leiter der Suldner Bergrettung jedoch gleich mehrfach: Am Berg müsse man immer aufpassen! Und man müsse auch immer gut ausgerüstet sein. Wenn sich also Personen über einen offenliegenden Gletscher bewegen, müssten sie z.B. Steigeisen nutzen. Ansonsten sollten Bergsteiger lieber zu Hause bleiben – das war immer schon so.<BR /><BR />Da sich die Lage am Berg aber natürlich auch kurzfristig ändern kann, ruft Olaf Reinstadler dazu auf, allfällige Beobachtungen zu melden. Wenn also ein Alpinist heute und in Zukunft etwas Verdächtiges sieht, ist er gebeten, dies sofort zu melden – Zivilschutz bzw. Bergrettungen könnten verständigt werden. Dann werde man sich damit beschäftigen und, sollte es nötig sein, auch Maßnahmen ergreifen. Damit es am Ortler auch in Zukunft nicht zu einem Marmolata-Unglück kommt.<BR />