„Wir müssen erkennen, dass wir in einer Übergangsphase sind. Covid lehrt uns etwas zu tun, was es vielerorts schon gab“, sagt der bekannte Mailänder Wissenschaftler. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="726128_image" /></div> <BR /><b>Herr Professor, der Mathematiker Giovanni Sebastiani hat sich die Kurve aller Provinzen Italiens angesehen und festgestellt, dass unter anderem Südtirols Kurve stetig ansteigt, aber nicht exponentiell. Worauf müssen wir uns einstellen?</b><BR />Dr. Fabrizio Pregliasco: Angst haben müssen wir vor einer exponentiell steigenden Kurve. Ich denke, eine linear ansteigende Infektionskurve ist schon ein schüchterner Hinweis darauf, dass sich die Situation langsam auf das Plateau zubewegt. <BR /><BR /><b>Und der Höhepunkt?</b><BR />Dr. Pregliasco: Ich spreche lieber von einem Plateau denn von einem Gipfel. Ich sehe Omikron mehr in Form eines Panettone – es geht steil aufwärts, dann wird ein Plateau erreicht, das 2, 3 Wochen konstant bleibt, dann beginnt der Abwärtstrend. Ich halte den für Ende Februar im Bereich des wissenschaftlich Möglichen. Das übliche wissenschaftliche Risiko, dass es doch anders kommt, bleibt natürlich trotzdem bestehen. <BR /><BR /><b>Es besteht also berechtigte Hoffnung, dass die Pandemie, wie angekündigt, nach 4 Wellen zur Endemie wird?</b><BR />Dr. Pregliasco: Ich vergleiche eine Pandemie immer mit einem Stein, der auf Wasser aufschlägt. Es wird auch in Zukunft immer wieder Wellen geben – im Winter, da werden sich immer wieder Menschen mit Corona infizieren. Dagegen werden wir uns dann auch immer wieder impfen können oder müssen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-52403373_quote" /><BR /><BR /><b>Derzeit können sich ja alle außer Kindern unter 5 Jahren impfen. Wie groß ist die Gefahr für sie?</b><BR />Dr. Pegliasco: Auch für sie kann Corona gefährlich werden, wir sehen es leider jeden Tag. Ich kann nur empfehlen, ihre Kontakte so weit es geht vorerst einzuschränken. <BR /><BR /><b>In Südtirol wird darüber diskutiert, auch an den Kindergärten Nasenflügeltests durchzuführen. Was halten Sie davon?</b><BR />Dr. Pregliasco: Die Tests fischen die stärksten Virusträger heraus. Natürlich haben alle Selbsttests Limits, sie sind wie weit gewebte Netze. <BR /><BR /><b>In der Emilia Romagna wird am Montag den geboosterten Bürgern die Verantwortung über ihre Quarantäne übergeben. Ein richtiger Schritt?</b><BR />Dr. Pregliasco: Wir müssen erkennen, dass wir in einer Übergangsphase sind. Covid lehrt uns etwas zu tun, was es vielerorts schon gab. Denken Sie an viele asiatische Touristen, die vielerorts schon vor der Pandemie mit Schutzmasken unterwegs waren. Oder denken wir an uns, die wir die Kinder mit Paracetamol am Morgen in die Schule geschickt haben oder wir selbst dank Paracetamol zur Arbeit gegangen sind. Wir müssen unser Verhalten und die Auswirkungen überdenken. Wir müssen vorsichtig sein, die Bürger müssen Eigenverantwortung übernehmen. <BR /><BR /><b>Die Wahlen des Staatspräsidenten stehen an. Haben Sie Bedenken, dass dies politisches Ungleichgewicht zur Folge haben könnte und damit das Corona-Krisenmanagement negativ beeinflusst werden könnte?</b><BR />Dr. Pregliasco: Natürlich ist eine gewisse Kontinuität nötig, um das Krisenmanagement erfolgreich weiterzuführen. Aber das hängt natürlich nicht allein von Personen ab, sondern von der Herangehensweise an die Dinge – ich will damit sagen, es muss nicht politisch alles bleiben, wie es ist, damit die Pandemie überwunden werden kann. Aber stabile Verhältnisse brauchen wir. <BR />