Freitag, 17. April 2020

Italien diskutiert über Impfpflicht gegen Covid-19

Der Impfstoff gegen das Coronavirus ist zwar noch nicht entwickelt worden, doch Italien, eines der von SARS-CoV-2 am stärksten betroffenen Länder, diskutiert bereits über die Möglichkeit einer Impfpflicht für alle Bürger.

Noch bevor der Impfstoff gegen Covid-19 existiert, gibt es in Italien bereits Diskussionen über eine mögliche Impfpflicht.
Noch bevor der Impfstoff gegen Covid-19 existiert, gibt es in Italien bereits Diskussionen über eine mögliche Impfpflicht. - Foto: © LPA
Öl ins Feuer schüttete Vize-Gesundheitsminister Pierpaolo Sileri, demnach die Impfung der einzige konkrete Weg zum Ausmerzen des Coronavirus sei.

„Angesichts der Schäden, die das Virus angerichtet hat, müsste die Impfung gegen Covid-19 Pflicht sein. Wenn einmal Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs garantiert sind, müssten alle geimpft werden, so dass sich niemand mehr anstecken kann“, sagte der Vize-Gesundheitsminister, der selber am Coronavirus erkrankt und inzwischen genesen ist.

„Italiener werden sich freiwillig impfen lassen“

Walter Ricciardi, Mitglied der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Berater des italienischen Gesundheitsministeriums, sieht dagegen keine Notwendigkeit zur Einführung einer Impfpflicht.

„Die Italiener haben die Angst vor der Krankheit persönlich erlebt und werden sich freiwillig impfen lassen“, meinte Ricciardi. Seiner Ansicht nach sollten die Impfzentren in Italien gestärkt werden, da es zu einem Ansturm von Bürgern kommen werde, die sich impfen lassen wollen, sobald der Impfstoff verfügbar sei.

Der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza rief zu einer internationalen Allianz auf, damit nach Entwicklung des Impfstoffs gegen das Covid-19 dieser an alle Länder, auch an ärmere, verteilt werden könne. Infolge hoher Nachfrage könnte es zu Engpässen bei der Lieferung des Impfstoffs kommen.

Impfverweigerer erzürnt

Die Aussicht auf eine Impfpflicht gegen das Covid-19 erzürnt eine breite Gruppe von Impfverweigerern in Italien.

Diese führen schon seit Jahren einen zähen Kampf gegen die von der Regierung 2017 eingeführte Impfpflicht für Kinder gegen zehn Krankheiten, darunter Masern, Hirnhautentzündung, Tetanus, Kinderlähmung, Mumps, Keuchhusten und Feuchtblattern.



Mit der Einführung der obligatorischen Impfung gewann in Italien die schon zuvor verbreitete Anti-Impf-Bewegung „No Vax“ an Schwung.

Ihre Anhänger misstrauen Impfspezialisten und medizinischen Fachleuten. Sie fordern die sofortige Abschaffung der Impfpflicht und behaupten, Impfstoffe würden die Gesundheit gefährden.

Anführerin der „No Vax“-Bewegung ist die römische Parlamentarierin Sara Cunial. Diese wehrt sich gegen den Vorschlag des bekannten Virologen Roberto Burioni, junge Leute wie Angehörige des Militärs oder alte Menschen in Seniorenheimen gegen das Coronavirus zu impfen und sie dann mit dem SARS-CoV-2 zu infizieren, um festzustellen, ob der Impfstoff greife.

Die Parlamentarierin rief die Regierung auf, sich von „ethisch fragwürdigen“ wissenschaftlichen Experimenten an gesunden Personen zu distanzieren, um die Wirksamkeit des Impfstoffes zu testen. Solche Experimente wären laut Cunial „nationalsozialistische Tests“.

„Experimente an Versuchspersonen auf Kosten von Staatsdienern wäre ein krimineller Akt, der gegen die fundamentalen Menschenrechte verstoße“, sagte Cunial.

Auch der Gewerkschaftsverband der italienischen Militärs zeigte sich über die Aussicht von Tests auf Soldaten besorgt. „Wir sind keine Versuchskaninchen“, betonten Sprecher der Gewerkschaft.

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apa

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