Dienstag, 14. April 2015

Italien fürchtet neue Flüchtlingswelle: Sie kommen zu Zehntausenden

Sie werden das derzeit schöne Wetter zur Überfahrt nutzen - und sie sind Zehntausende: Nachdem in den vergangenen vier Tagen rund 7.000 Flüchtlinge in den Gewässern zwischen Libyen und Italien gerettet worden sind, bittet die Regierung in Rom das ganze Land um Hilfe bei ihrer Versorgung.

10.000 Flüchtlinge wollen die Überfahrt nach Italien wagen.
10.000 Flüchtlinge wollen die Überfahrt nach Italien wagen. - Foto: © APA/EPA

Die Lage dürfte sich indes verschärfen: In den kommenden Wochen könnten bei guten Wetterbedingungen zehntausende weitere Migranten die Reise nach Italien unternehmen, hieß es.

Die Regierung ruft die Gemeinden nun auf, mehr Unterkünfte für die Flüchtlinge zu organisieren, berichteten italienische Medien am Dienstag. Schulen, Kasernen und Turnhallen sollen als Unterkünfte für Migranten dienen, die täglich Sizilien erreichen. Allein am Dienstag trafen 1.200 Flüchtlinge ein, die in den vergangenen Tagen von Schiffen der italienischen Küstenwache und der Marine aufgegriffen wurden.

Jede italienische Region muss Beitrag leisten

Innenminister Angelino Alfano arbeitet mit dem italienischen Gemeindeverband ANCI an einem Plan, um die Flüchtlinge auf mehrere Regionen Italiens zu verteilen, da die Auffanglager auf Sizilien längst heillos überfüllt sind. Jede italienische Region muss einen Beitrag im Umgang mit dem Flüchtlingsnotstand leisten, lautete die Devise der Regierung von Premier Matteo Renzi.

Inzwischen wurde am Dienstag ein Schlepper aus Guinea auf Sizilien festgenommen. Er soll dutzende Flüchtlinge nach Italien geschleust haben. Bei einer Überfahrt sei ein Migrant ums Leben gekommen, die Leiche wurde ins Meer geworfen. Seit Jahresbeginn wurden bereits 14 mutmaßliche Schlepper in Italien festgenommen.

500 Tote seit Beginn 2015

Seit Anfang 2015 seien 500 Migranten im Mittelmeer ums Leben gekommen, das sind 30 Mal mehr als im Vergleichszeitraum 2014, als 17 Tote gemeldet wurden, sagte die Sprecherin des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) für Südeuropa, Carlotta Sami.

„Die dramatischen Zahlen bezeugen, dass die eingesetzten Kräfte ungenügend sind, um den Migranten auf der Flucht Hilfe zu leisten. Die Bemühungen der Küstenwache und der Marine sind enorm, man muss jedoch noch mehr unternehmen. Ein europäischer Einsatz ist notwendig. Die EU-Mission Triton genügt nicht“, sagte Sami.

Wegen des guten Wetters wagen derzeit besonders viele Menschen die gefährliche Überfahrt in Richtung Europa. Viele starten in Libyen, wo seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos und Gewalt herrschen.

apa

stol