Ein Gedenkmarsch von Familienangehörigen und Freunden der Opfer zog durch die Innenstadt von Bologna. „Bologna vergisst nicht“, war auf einem Spruchband zu lesen. Die Demonstranten trugen T-Shirts mit jeweils einem Namen der 85 Todesopfer des Anschlags.Die Angehörigen der Opfer und die Opposition kritisierten, dass kein Regierungsmitglied an der Gedenkzeremonie in Bologna teilgenommen habe. In den vergangenen Jahren waren Regierungsmitglieder aus dem Lager von Premier Silvio Berlusconi immer wieder scharf von Anhängern der Linken und von Familienangehörigen der Opfer ausgepfiffen worden.Der italienische Präsident Giorgio Napolitano forderte in einer Botschaft an die Hinterbliebenen einen verstärkten Einsatz zur Klärung der Hintergründe des Anschlags. Staatsanwälte sollten sich weiterhin bemühen, die Auftraggeber des Anschlags zu entlarven, forderte das linksgerichtete Staatsoberhaupt.Am 2. August 1980 explodierten zwei Koffer mit Bomben in einer Bahnhofswartehalle und rissen vor allem Urlauber in den Tod. Das Attentat von Bologna ist und bleibt bis heute der schwerste Terroranschlag in Italien seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Explosion zerstörte einen Großteil des Hauptgebäudes und beschädigte den Zug Ancona-Chiasso, der auf Gleis 1 wartete. Sie war kilometerweit zu hören. Auf den Anschlag folgten ein langes, verworrenes und umstrittenes Gerichtsverfahren sowie politische Diskussionen. Obwohl es sich um eine Tat rechtsextremer Gruppen handelte, versuchten rechte politische Kreise, den Anschlag in der „roten Hochburg“ Bologna der linken Szene in die Schuhe zu schieben.In acht Prozessen zwischen 1988 und 1994 wurden drei Neofaschisten, darunter das Ehepaar Valerio Fioravanti und Francesca Mambro, als unmittelbare Täter zu lebenslänglichen Haftstrafen bzw. 30 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht befand sie der Ausführung des Terrorakts schuldig. Weitere Freiheitsstrafen wurden wegen Irreführung und Verschleierung gegen einige Geheimdienstleute und den umstrittenen Chef der Geheimloge Propaganda Due (P2), Licio Gelli, verhängt. Die mutmaßlichen Hintermänner des Anschlags wurden nie ausgeforscht und vor Gericht gestellt. Die Opfer und ihre Angehörigen mussten bis 2008 auf eine Entschädigungsregelung warten. apa