Mittwoch, 27. Mai 2020

Italien: Morddrohungen gegen Politiker – mehrere Minister unter Polizeischutz

In dem vom Coronavirus schwer getroffenen Italien wächst der Unmut der Bevölkerung gegenüber der Politik. Mehrere Minister wurden unter Polizeischutz gestellt, auch der Präsident der Lombardei, Attilio Fontana, hat Morddrohungen erhalten.

Attilio Fontana, der Präsident der Region Lombardei, hat Morddrohungen erhalten.
Attilio Fontana, der Präsident der Region Lombardei, hat Morddrohungen erhalten. - Foto: © ANSA / Matteo Corner
De Fontana, Spitzenpolitiker der rechten Lega, ist mit zunehmender Kritik wegen des Umgangs seiner Region mit der Coronavirus-Epidemie konfrontiert. Mit fast 16.000 Toten ist die Lombardei die am stärksten von Covid-19 betroffene Region Italiens.

Die lombardischen Regionalbehörden werden beschuldigt, vor allem in der Anfangsphase der Epidemie unvorbereitet reagiert zu haben. Damit habe sich die Infektion rasch ausgebreitet, die in Italien bereits über 32.000 Tote gefordert hat.

„Ich dachte nicht, dass man mich unter Polizeischutz stellen würde. Für mich ändert sich nichts, ich arbeite weiter. In den vergangenen Wochen ist zu Zwecken der politischen Propaganda viel Gift geflossen“, kommentierte Fontana, ein Vertrauter von Lega-Chef Matteo Salvini, am Mittwoch.

Die Sicherheitskräfte beschlossen auch, Bildungsministerin Lucia Azzolina, unter Polizeischutz zu stellen. Sie wurde in Sozialnetzwerken Opfer von Drohungen und sexistischer Attacken, berichteten die Behörden. Der Regierungsbeschluss, die seit dem 5. März geschlossenen Schulen bis September nicht mehr zu öffnen, sorgte in Italien für viel Kritik.

Auch Vize-Gesundheitsminister Pier Paolo Sileri ist unter Polizeischutz gestellt worden. Der Minister aus den Reihen der in Rom regierenden Fünf-Sterne-Bewegung hatte zuletzt Morddrohungen nach Korruptionsversuchen in Zusammenhang mit der Verteilung öffentlicher Finanzierungen für das Gesundheitswesen erhalten. Alle Parteien erklärten sich mit Sileri solidarisch, der im März selbst am Covid-19-Virus erkrankt war und inzwischen genesen ist. „Wir lassen uns nicht einschüchtern“, sagte Außenminister Luigi Di Maio, Ex-Chef der Fünf-Sterne-Bewegung.

apa/zor

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