Donnerstag, 24. Januar 2019

Italien muss Amanda Knox entschädigen

Fast 4 Jahre nach ihrem Freispruch in einem nie ganz aufgeklärten Mordfall in Perugia hat die US-Amerikanerin Amanda Knox einen Prozess gegen Italien beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg gewonnen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Italien die Verteidigungsrechte der 31-jährigen Knox verletzt hat.

Amanda Knox war als Engel mit den Eisaugen in der italienischen Presse bekannt geworden.
Amanda Knox war als Engel mit den Eisaugen in der italienischen Presse bekannt geworden. - Foto: © APA/Reuters

Italien wird Amanda Knox 10.400 Euro Entschädigung zahlen müssen und 8000 Euro an Verfahrenskosten übernehmen, hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten Urteil.

Die ehemalige Austauschstudentin hatte eine Entschädigung von einer halben Million Euro verlangt. Sie führte in ihrer Klage an, dass sie bei ihrer Festnahme in der Nacht auf den 6. November 2007 15 Stunden lang von der Polizei ohne Anwalt vernommen worden sei. Obwohl ihre Aussagen wegen der Abwesenheit eines Verteidigers nicht rechtskonform waren, seien diese gegen sie vor Gericht verwendet worden. Bei der Einvernahme hatte Knox den kongolesischen Barmann Patrick Lumumba des Mordes beschuldigt und war deswegen wegen Verleumdung verurteilt worden.

Amanda Knox führte in ihrer Klage darüber hinaus an, dass sie von der Polizei nicht über ihre Rechte informiert worden sei. Die Beamten hätten mit ihr Italienisch gesprochen, eine Sprache, die sie damals kaum beherrschte. Ein Dolmetscher sei bei der Befragung nicht anwesend gewesen.

„Hoffentlich letztes Urteil in diesem Fall“

Knox' italienischer Anwalt Luciano Ghirga begrüßte das Urteil des Straßburger Gerichts. „Die Richter haben erkannt, dass Knox' Recht auf Verteidigung verletzt wurde“, meinte der Anwalt. Auch die Amerikanerin erklärte sich mit dem Urteil zufrieden. „Ich hoffe, dass dies das letzte Urteil in Zusammenhang mit diesem Fall ist“, sagte Knox laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Knox und ihrem Ex-Freund Raffaele Sollecito war vorgeworfen worden, Ende 2007 die britische Studentin Meredith Kercher getötet zu haben. Deren Leiche war halb nackt in ihrem Schlafzimmer in der mittelitalienischen Stadt Perugia gefunden worden. Der Fall hatte weltweit Aufsehen erregt. Sollecito und Knox wurden 2009 zu langen Haftstrafen verurteilt, 2011 aber freigesprochen. Knox kehrte in die USA zurück. Der Fall ging durch mehrere Instanzen, beide wurden erneut verurteilt, das oberste Gericht Italiens sprach sie aber im März 2015 endgültig frei.

Verurteilt wurde Knox wegen Verleumdung Lumumbas. Die Haftstrafe von 3 Jahren hat die Amerikanerin aber bereits abgesessen. Sie war 2011 nach 4-jähriger Haft in die USA zurückgekehrt.

Der einzige rechtskräftig Verurteilte wegen des Mordes an der Austauschstudentin ist der gebürtige Ivorer Rudy Guede, der als Adoptivsohn eines italienischen Paares seit seinem 6. Lebensjahr in Perugia gelebt hatte. Er war im Oktober 2008 nach einem Schnellverfahren zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Nach der Berufung wurde das Strafmaß auf 16 Jahre reduziert. Die Ermittler waren sich einig, dass er nicht allein gehandelt haben konnte. Guede scheiterte im Vorjahr mit einem Antrag auf einen neuen Prozess.

apa

stol