Donnerstag, 02. April 2020

Italien plant Phase 2 mit aufgelockerten Maßnahmen

Im Coronavirus-Notstand plant die italienische Regierung bereits „Phase 2“, die eine teilweise Auflockerung des bis zum 13. April verlängerten Lockdowns vorsieht. „Wir hoffen, dass die 1. Phase des akuten Notstands bald vorbei ist. Wir planen die 2. Phase, in der wir einige Maßnahmen auflockern werden“, so Ministerpräsident Giuseppe Conte laut dem spanischen TV-Sender La Sexta.

Premier Conte hofft, "dass die 1. Phase des Notstands bald vorbei ist".
Premier Conte hofft, "dass die 1. Phase des Notstands bald vorbei ist". - Foto: © APA (AFP) / HANDOUT
Nach dem Ende der „Phase 2“ könne der Neubau des sozialen und wirtschaftlichen Netzes und der Neustart der italienischen Wirtschaft beginnen, sagte Conte. Er urgierte eine „rasche und solidarische europäische Lösung“ zur Bewältigung des Coronavirus-Notstands. Dabei sei rasches Handeln notwendig. „Eine langsame Reaktion wäre nutzlos“, argumentierte Conte.

Epidemiekurve in Italien stabil

Laut dem Virologen Fabrizio Pregliasco hat sich die Epidemiekurve in Italien stabilisiert. „Es gibt 1. positive Signale, dass die Zahl neuer Infektionen nicht mehr so stark wächst. Die ́Phase 2 mit dem schrittweisen Neustart der Aktivitäten im Land könnte im Mai beginnen. Maßnahmen zur sozialen Distanz müssen jedoch auch in dieser Phase eingehalten werden“, sagte Pregliasco. Es sei vernünftig, an eine schrittweise Wiedereröffnung produktiver Aktivitäten zu denken.

Die Lombardei, die von der Coronavirus-Krise am stärksten betroffenen norditalienischen Region, rechnet mit einem Rückgang der Epidemiekurve bis Ende dieser Woche. „Die Zahlen entsprechen unseren Erwartungen. Heute ist ein weiterer positiver Tag, weil die Infektionen nicht zunehmen“, sagte der lombardische Präsident, Attilio Fontana, bei seiner täglichen Pressekonferenz in Mailand.

„Es ereignet sich, das was unsere Experten vorhergesagt haben: In einigen Tagen wird die Epidemiekurve endlich sinken“, sagte Fontana. Er lobte die Leistungen des lombardischen Gesundheitssystems, das mit einem „dramatischen Tsunami“ konfrontiert sei. „Natürlich gibt es Probleme, doch niemand anderer hat das bewältigen müssen, was unsere Ärzte in den Nothilfen lombardischer Krankenhäuser bewältigen“, sagte Fontana.

Gefahr einer 2. Welle im Herbst

Der lombardische Präsident warnte vor der Gefahr einer 2. Coronavirus-Welle im Oktober und November. „Das schließen die Wissenschaftler nicht aus, daher müssen wir gut vorbereitet sein“, erklärte Fontana, ein Politiker der rechten Lega. Die Zahl der Todesopfer in Italien wächst weiter, doch die Zahl der Infektionen hat sich seit einigen Tagen stabilisiert.

Die in Rom regierenden Sozialdemokraten (PD) forderten indes eine Verstaatlichung des derzeit auf regionaler Basis organisierten Gesundheitssystems in Italien. Die Unterschiede zwischen nord- und süditalienischen Regionen seien zu stark, forderte der stellvertretende PD-Chef Andrea Orlando. Der Vorschlag ist umstritten.

apa