Dienstag, 20. Juni 2017

Italien: Protest wegen schleppenden Wiederaufbaus im Erdbebengebiet

Fast 10 Monate nach dem ersten einer Serie von Erdbeben in Mittelitalien am 24. August 2016 mit 299 Todesopfern wächst unter der Bevölkerung der Unmut wegen der schleppenden Wiederaufbauarbeiten.

Der Aufbau in den Erdbebengebieten in Mittelitalien verläuft äußerst schleppend. Im Bild: Die zerstörte Basilica St. Benedikt von Norcia
Der Aufbau in den Erdbebengebieten in Mittelitalien verläuft äußerst schleppend. Im Bild: Die zerstörte Basilica St. Benedikt von Norcia - Foto: © APA/AFP

In den 131 Gemeinden, die von der Erdbebenserie im vergangenen Jahr und am 18. Jänner betroffen waren, liegen mehr als 90 Prozent der Trümmer nach wie vor auf den Straßen.

2,1 Millionen Tonnen müssen noch entsorgt werden. Damit seien hohe Kosten verbunden, schrieb die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ am Dienstag. Die Stabilität von 184.700 Gebäuden wurde überprüft, weitere 23.000 müssen noch kontrolliert werden. 3.620 Holzfabrikate wurden für die betroffene Bevölkerung bestellt, doch lediglich 188 bisher geliefert. Der Staat zahlt die Miete für 37.000 Obdachlose, die selber eine Unterkunft gefunden haben.

Der Ministerrat in Rom verabschiedete im April Maßnahmen, die den Wiederaufbau im Bebengebiet beschleunigen sollen. Davon soll auch der Tourismus profitieren. Vorgesehen sind bürokratische Vereinfachungen für Unternehmen, die nach dem Erdbeben ihre Produktionswerke wieder in Betrieb nehmen wollen, sowie die Befreiung von Steuern.

Gemeinden in der Erdbebenregion, die Aufträge für die Errichtung neuer Gebäude oder die Restaurierung von Immobilien ausschreiben wollen, sollen dies beschleunigt tun können. Auch die Anstellung von Personal in den vom Erdbeben betroffenen Gemeinden soll erleichtert werden.

Die positiven Auswirkungen dieser Maßnahmen seien noch nicht zu spüren, klagte Sergio Pirozzi, Bürgermeister von Amatrice, der am stärksten vom Erdbeben betroffenen Gemeinde mit 235 Todesopfern. Pirozzi übte heftige Kritik an der überbordenden Bürokratie, die den Wiederaufbau erschwere. Auch die Anstellung von Personal, das den Wiederaufbau koordinieren solle, sei problematisch, erklärte der Bürgermeister.

Bei dem Beben der Stärke 6 am 24. August wurden in Mittelitalien Zehntausende Menschen obdachlos. In den letzten Wochen hatten zahlreiche Obdachlose für mehr Hilfe demonstriert, weil sie sich von der Regierung allein gelassen fühlen.

apa

stol