Donnerstag, 11. März 2021

Italien stoppt verdächtige Charge von AstraZeneca-Impfstoff

Die italienische Arzneibehörde AIFA hat am Donnerstag beschlossen, die Charge ABV2856 des Impfstoffes AstraZeneca auf gesamtstaatlicher Ebene aus dem Markt zu nehmen. Der Beschluss wurde gefasst, nachdem einige „gravierende Fälle“ nach Verabreichung des Impfstoffes gemeldet wurden, hieß es. Experten wurden beauftragt, die Impfstoff-Charge zu prüfen. Auch Dänemark und Norwegen setzen Astrazeneca vorerst aus.

Experten wurden beauftragt, die Impfstoff-Charge zu prüfen.
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Experten wurden beauftragt, die Impfstoff-Charge zu prüfen. - Foto: © APA/afp / MIGUEL MEDINA
Nach dem Bericht einiger schwerwiegender unerwünschter Ereignisse nach der Verabreichung von Dosen des Impfstoffs ABV2856 von AstraZeneca hat die italienische Arzneimittelbehörde Aifa beschlossen, als Vorsichtsmaßnahme ein Verbot für die Verwendung dieser Charge im ganzen Land zu erlassen und behält sich das Recht vor, gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu ergreifen, auch in enger Abstimmung mit der EMA, der Europäischen Arzneimittelagentur.

Derzeit ist kein kausaler Zusammenhang zwischen der Verabreichung des Impfstoffs und diesen Ereignissen nachgewiesen.

Die Aifa wird “alle neuen Informationen, die verfügbar werden„, unverzüglich mitteilen.

Zwei Militärs auf Sizilien starben in den vergangenen Tagen, nachdem sie die erste AstraZeneca-Impfdosis erhalten hatten.

Ermittlungen wurden außerdem um den Tod eines Mitarbeiters einer Schule im Raum von Neapel aufgenommen, der am Montag immunisiert worden und kurz daraufhin gestorben war.

Vergangene Woche war eine 62-jährige Lehrerin in Neapel nach der Impfung ums Leben gekommen.

Ob tatsächlich ein Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und den Fällen bestehe, müsse erst geklärt werden.

Norwegen und Dänemark setzen AstraZeneca-Impfungen aus

Nach Dänemark setzt auch Norwegen die Impfungen mit dem Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens AstraZeneca bis auf Weiteres aus. Das teilte das norwegische Gesundheitsinstitut FHI am Donnerstag mit, nachdem die dänischen Behörden wenige Stunden zuvor einen ähnlichen Schritt verkündet hatten. Der Schritt erfolge als Vorsichtsmaßnahme, wurde hinzugefügt.

Nach der Meldung eines Todesfalls in Dänemark in Verbindung mit einem Blutgerinnsel nach einer Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin wolle man Informationen abwarten, ob ein Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und dem Fall bestehe, sagte der für den Infektionsschutz zuständige FHI-Direktor Geir Bukholm auf einer Pressekonferenz in Oslo. Wie zuvor die Dänen machten auch die Norweger deutlich, dass ein solcher Zusammenhang bisher nicht festgestellt worden sei. Aus Vorsicht unterbreche man die Impfungen mit dem Astrazeneca-Mittel jedoch, während die Untersuchungen liefen, sagte Bukholm.

Diese Pause bedeute aber nicht, dass man von Impfungen mit dem Mittel von AstraZeneca in Zukunft abrate. Wie lange die Unterbrechung währen soll, ist unklar. In Dänemark gilt sie für vorläufig 14 Tage.
In Norwegen haben bisher rund 122.000 Menschen das AstraZeneca-Vakzin erhalten. Sie werden vom FHI gebeten, sich nicht unnötig Sorgen zu machen. Wenn sich ein Zusammenhang zwischen Impfstoff und Blutgerinnsel herausstelle, würde dies eine äußerst seltene Nebenwirkung darstellen, hieß es in einer Behördenmitteilung.

Zusammenhang von Impfung und Blutgerinnsel unwahrscheinlich

Ein deutscher Experte hält einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Astrazeneca-Impfung und dem Todesfall in Dänemark für unwahrscheinlich.

„Ein direkter Zusammenhang ist nicht richtig vorstellbar, das kann auch Zufall sein“, sagte der Infektiologe Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist etwas Außergewöhnliches. Gefäßverschlüsse sind weder in den Zulassungsstudien aufgetaucht noch bei den Impfungen in England, und dort ist man sehr wachsam.“

Allerdings müsse man dem Vorfall nachgehen, sagte Salzberger. „Wenn man ein solches Phänomen sieht, dann muss man das untersuchen, und das tun die Dänen derzeit.“





apa/ansa/vs

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