Montag, 15. Februar 2021

Italiener feiern Valentinstag, Virologen fordern Lockdown

Valentinstag und Fasching: Unzählige Italiener haben trotz klirrender Kälte den Sonntag mit strahlendem Wetter genutzt, um Restaurants zu stürmen und dort zu feiern. Ganz zum Ärger angesehener Virologen, die die Wiedereinführung eines strengen Lockdowns in Italien verlangen. Südtirol befindet sich aufgrund horrender Zahlen und hoher Belastung in den Krankenhäusern seit dem gestrigen Sonntag bereits in eben diesem.

In Ligurien hielten sich einige Gastronome nicht an das Öffnungsverbot. Hier eine Aufnahme aus Ventimiglia an der ligurischen Küste.
In Ligurien hielten sich einige Gastronome nicht an das Öffnungsverbot. Hier eine Aufnahme aus Ventimiglia an der ligurischen Küste. - Foto: © ANSA / TENERELLI
Lokalinhaber in der als orange Zone eingestuften norditalienischen Region Ligurien trotzten dem Verbot, offen zu halten und empfingen Gäste zum Mittagessen. Viele Kunden aus dem benachbarten Frankreich zog es in die Lokale an der Riviera. Ein Restaurant in Ventimiglia änderte seinen ursprünglichen Namen „Pasta e Basta“ in „Adesso Basta“ (Schluss jetzt) als Zeichen des Protests gegen die strikten Anti-Covid-Maßnahmen, die Lokalinhaber schwer belasten.

Unzählige Paare pilgerten am Valentinstag zum Haus in Verona, vor dem Romeo in Shakespeares Tragödie seine Julia anschmachtete. Das Haus aus dem 13. Jahrhundert, in dem laut Legende Julia gelebt haben soll, wird am Valentinstag seit jeher von Paaren besucht, die sich vor dem wohl berühmtesten Balkon der Weltliteratur ablichten. Shakespeares Drama soll sich in Verona abgespielt haben. Allerdings ist die Liebesgeschichte Fiktion – und Julia hat nie wirklich in dem Haus gewohnt. Der Balkon soll erst nachträglich angebaut worden sein.

Der Papst gratulierte zum Valentinstag allen Verlobten und Verliebten. „Ich begleite euch mit meinem Gebet und segne euch“, sagte er beim Mittagsgebet am Sonntag auf dem Petersplatz. Der Brauch, den 14. Februar als Tag der Verliebten zu begehen, leitet sich von Legenden um einen christlichen Märtyrer Valentin aus dem dritten Jahrhundert her.

Der Wirbel um den Valentinstag löste Ärger beim Berater des Gesundheitsministeriums, Walter Ricciardi, aus. Dieser forderte einen harten Lockdown in Italien. „Es ist dringend erforderlich, sofort die Strategie im Kampf gegen SARS-CoV-2 zu ändern: Wir müssen sofort zu einem kompletten Lockdown mit der Schließung der Schulen zurück. Nur die notwendigsten Aktivitäten sollen aufrecht bleiben“, forderte Ricciardi.

Diese Ansicht teilt auch der angesehene Virologe Andrea Crisanti. Gegen die Verbreitung von Virus-Mutationen seien lokale Lockdowns dringend notwendig, inzwischen müsse die Impfkampagne zügig voranschreiten. Die Virologen zogen sich mit ihren Forderungen nach neuen Lockdowns scharfe Kritik zu. „Wir haben Virologen satt, die Angst und Unsicherheit verbreiten. Wir hoffen, dass sich die Lage mit dem neuen Premierminister Mario Draghi normalisiert“, forderte Lega-Chef Matteo Salvini.

Südtirol befindet sich aufgrund horrender Zahlen und hoher Belastung in den Krankenhäusern seit dem gestrigen Sonntag wieder in einem strengen Lockdown.

apa/stol