Samstag, 26. März 2022

Italienische Ärzte protestierten in Mailand

Einige hunderte italienische Ärzte haben sich am Samstag an einem Protestzug in Mailand beteiligt. Sie zogen vom Hauptbahnhof zum Sitz der Region Lombardei. Die Ärzte, alle in weißen Kitteln, forderten „den Schutz des öffentlichen Gesundheitsdienstes und die Entbürokratisierung ihres Berufs“.

Protest gegen Bürokratie und Überlastung. - Foto: © ANSA / Paolo Salmoirago

„Wir haben viele Kollegen im Kampf gegen die Pandemie verloren, deshalb haben wir beschlossen, den Tag mit einem Gedenken an sie zu beginnen. Anschließend wurde eine Schweigeminute eingelegt“, berichtete ein Demonstrant. „Wir sind jedoch inzwischen vergessen worden. Wir sollten uns um die Patienten kümmern, ohne mit Verwaltungsaufgaben überhäuft zu werden. Es gibt immer weniger Hausärzte und Arztpraxen, und das ist ein Problem.“

„Wir wollen unsere Rolle und unsere Berufswürde zurückgewinnen, um die uns anvertrauten Patienten bestmöglich behandeln zu können. Wir protestieren, weil wir mehr Ärzte vor Ort brauchen: Heute gibt es in unserem Land mehr als 3 Millionen Bürger ohne Hausarzt. Die ärztlichen Bereitschaftsdienste werden entweder geschlossen oder wegen Personalmangels zusammengelegt. Viele Krankenwagen haben keinen Arzt an Bord. Wir wollen, dass junge Ärzte für diesen Beruf gewonnen werden“, hieß es.

Italien ist mit einem Rückgang von Ärzten aus Krankenhäusern konfrontiert. Auch viele Hausärzte geben auf. Trotz der geringeren Belastung des Gesundheitswesens angesichts rückgängiger Infektionszahlen ist das Unbehagen der Ärzte in den Krankenhäusern immer noch sehr groß, warnte der Präsident des Ärzteverbands (FNOMCeO), Filippo Anelli, dieser Tage.

„Trotz der 30.000 außerordentlichen Neueinstellungen von Gesundheitspersonal ist die Situation für die Krankenhäuser und die Ärzte vor Ort immer noch schwierig. Vor Jahren haben wir schon vorausgesagt, dass es bis 2025 50.000 Ärzte weniger in den Krankenhäusern und 30.000 weniger Hausärzte geben würde. Heute haben viele Bürger bereits keinen Hausarzt mehr, und die Notaufnahmestationen sind unterbesetzt. Nur 28,4 Prozent der Krankenhausärzte möchten weiterhin im nationalen Gesundheitsdienst beschäftigt sein“, warnte Anelli.

jot

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