Mittwoch, 24. März 2021

Kurz vor illegalem Export: Astrazeneca-Impfstoff in Italien gestoppt

Italienische Behörden haben in einer Abfüllungsstätte des Impfstoffherstellers AstraZeneca 29 Millionen Impfstoffdosen, die laut einem Zeitungsbericht illegal nach Großbritannien exportiert werden sollten, entdeckt.

AstraZeneca gab keinen Kommentar zu den Medienberichten ab.
AstraZeneca gab keinen Kommentar zu den Medienberichten ab. - Foto: © APA/afp / FRED TANNEAU
Die italienische Regierung bestätigte am Mittwoch die Kontrolle, über welche die Tageszeitung „La Stampa“ berichtet hatte. Die Kontrollen seien am Samstag und Sonntag erfolgt und von der Carabinieri-Einheit NAS durchgeführt worden, teilte die Regierung in Rom mit.

Die kontrollierten Chargen an einem Standort der Firma Catalent in der Kleinstadt Anagni 30 Kilometer südlich von Rom sollten demnach nach Belgien exportiert werden. Alle Chargen, die aus dem Standort in Anagni abfahren, würden zurzeit von den Carabinieri geprüft, teilte die Regierung mit.

EU fordert zu Kontrolle von AstraZeneca auf

Anlass für die Kontrollen war eine Meldung der EU-Kommission. Sie habe Regierungschef Mario Draghi aufgefordert, einige Impfstoff-Chargen im Standort von Anaghi zu kontrollieren. Draghi habe daraufhin Gesundheitsminister Roberto Speranza informiert, der die Inspektion angeregt habe, hieß es am Mittwoch in Rom.

„Wir hatten den Verdacht, dass AstraZeneca über mehr Produktionskapazität in Europa verfügte, als sie angegeben hatten“, sagte ein EU-Vertreter in Brüssel am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. EU-Industriekommissar Thierry Breton habe deshalb die italienischen Behörden gebeten, das Werk zu inspizieren. Astrazeneca selbst hat die Vorwürfe zurück gewiesen.

AstraZeneca hatte seine Lieferungen an die EU einseitig drastisch gekürzt: Statt der ursprünglich avisierten 120 Millionen Impfdosen sollen im ersten Quartal nur 30 Millionen kommen, im zweiten Quartal 70 Millionen statt 180 Millionen Dosen.

Die EU-Komission hat am Mittwoch die Exportkontrolle von Corona-Impfstoffen erweitert. Neue Kriterien sollen es erlauben, Impfstoffe zurückzuhalten, wenn Verhältnismäßigkeit und Gegenseitigkeit nicht gewahrt sind.

Bestimmungsort der Impfdosen unklar

Zum Bestimmungsort des gefundenen Impfstoffs machte der EU-Vertreter keine Angaben. Aus informierten Kreisen hieß es laut AFP, AstraZeneca habe angegeben, dass 16 Millionen der gefundenen Dosen für die EU und 13 Millionen für die internationale Impfinitiative COVAX bestimmt seien.

„La Stampa“ berichtete hingegen, der Impfstoff sollte nach Großbritannien exportiert werden. Unklarheit bestand außerdem über die Herkunft der Wirkstoffe in den in Italien abgefüllten Dosen. „Wir müssen jetzt überprüfen, ob der Wirkstoff in diesen Impfstoffen in der EU in von der EMA zugelassenen Anlagen hergestellt wurde“, sagte der EU-Vertreter.

AstraZeneca wollte am Mittwoch die Berichte nicht kommentieren. Die Vertretung des britisch-schwedischen Impfstoffherstellers in Italien erklärte auf APA-Anfrage, derzeit sei keine Stellungnahme dazu geplant.

Catalent befüllt im Auftrag des britisch-schwedischen Impfstoffherstellers AstraZeneca Ampullen mit dem Anti-Covid-Impfstoff. Anfang März hatte Rom eine Lieferung mit 250.000 Impfdosen des Herstellers AstraZeneca an Australien gestoppt, die in Italien produziert worden waren.

Der italienische Regierungschef Mario Draghi hatte die EU-Kommission zu hartem Durchgreifen gegen Pharmakonzerne aufgerufen, die ihren Verpflichtungen mit der EU zur Lieferung von Impfstoffen nicht nachkommen.

apa