Donnerstag, 23. Juli 2020

Ja-Wort oder wilde Ehe – So machten es die Südtiroler Paare 2019

Wie die Südtiroler im Jahr 2019 heirateten, wen sie und wie oft sie heirateten, wie alt sie dabei im Durchschnitt waren und ob sie überhaupt in den Hafen der Ehe schipperten, erfahren Sie hier.

In Südtirol leben fast 40 Prozent der volljährigen Personen in einer Ehe.
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In Südtirol leben fast 40 Prozent der volljährigen Personen in einer Ehe. - Foto: © shutterstock
Im Jahr 2019 gingen laut Statistikinstitut ASTAT in Südtirol 2.241 Paare den Bund der Ehe ein, 4,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit flaut der leichte Aufwärtstrend, der in den letzten fünf Jahren aufgekommen war, wieder etwas ab. Die Eheschließungsrate beträgt 4,2 Hochzeiten je 1.000 Einwohner und liegt weiterhin im Mittel der vergangenen zwei Jahrzehnte.

Ein Vergleich der Raten von 2018 mit den gesamten Regionen Italiens (letzte verfügbare gesamtstaatliche Daten) zeigt, dass Südtirol mit 4,4 Promille an 1. Stelle liegt -deutlich über dem Durchschnitt von 3,2 Promille in Italien.


Südtirol hat höchste Eheschließungsrate Italiens


Im Vergleich mit den Nachbarregionen Tirol und Trentino liegt Südtirol im Mittelfeld. 2018 betrug in Tirol die Eheschließungsrate 5,5 Promille, im Trentino lediglich 2,8 Promille. (Quelle: ISTAT, Statistik Austria).

Seit dem Jahr 2002 ist die gesamtstaatliche Eheschließungsrate von 4,7 Promille auf 3 Promille im Jahr 2019 gesunken. Obwohl Südtirol die höchste Eheschließungsrate Italiens aufweist, liegt diese dennoch deutlich unter jener der Nachbarländer Deutschland, Österreich und der Schweiz.

40 Prozent der Erwachsenen sind verheiratet

In Südtirol leben fast 40 Prozent der volljährigen Personen in einer Ehe. Je nach Alter ergeben sich auch Abweichungen zwischen Männern und Frauen. In der Altersgruppe zwischen 18 und 39 Jahren sind Frauen
häufiger verheiratet als Männer: 26,6 Prozent gegenüber 17,2 Prozent. In der Altersgruppe von 40 bis 64 Jahren leben 61,3 Prozent der Männer und 63,1 Prozent der Frauen mit ihrem jeweiligen Ehepartner zusammen. Hier gibt es kaum einen Unterschied. Anders ist das bei Personen im höheren Alter. Ab dem 65. Lebensjahr leben 75 Prozent der Männer in einer Ehe, auf Frauen trifft dies nur mehr auf 46,9 Prozent zu. Hauptgrund dafür ist die höhere Lebenserwartung der Frauen mit einem entsprechend größeren Verwitwungsrisiko.

Immer mehr Kinder werden außerehelich geboren. Bei 46,5% der im Jahr 2019 geborenen Kinder hatten die Eltern keinen Trauschein. Vor 30 Jahren war das nur bei 16,1 Prozent der Fall.

Typische Heirats-Monate und Güterstand

Klare Favoriten für das Ja-Wort sind im Bezugsjahr die Monate Juni und September mit jeweils 348 Hochzeiten. Ebenfalls sehr beliebt ist der Mai mit 317 Hochzeiten sowie der Monat Oktober (229) und Juli (223).

Der Großteil der Paare entscheidet sich für die Gütertrennung: 2019 sind es 55,8 Prozent der Frischvermählten,während noch bis zum Jahr 1998 die Gütergemeinschaft die gängige Praxis war. Im italienweiten Vergleich (2018) weist Südtirol mit 45,7Prozent den höchsten Anteil an Eheschließungen mit gemeinsamem Güterstand auf, gefolgt von Sardinien (35,4Prozent), dem Trentino (35,1 Prozent), Umbrien (34,2 Prozent), Venetien (32,4 Prozent) undder Lombardei (32,2 Prozent).

Standesamt

Das Heiratsverhalten in Südtirol weicht auch hinsichtlich des Trauungsritus vom restlichen Italien ab: 2019 lassen sich hierzulande nur mehr 26,8 Prozent aller Paare kirchlich trauen, die standesamtlichen Trauungen sind hingegen auf 73,2Prozent angestiegen. Im Schnitt werden in ganz Italien 50,1 Prozent der Ehen vor dem Standesbeamten geschlossen.

Während in Nord- und Mittelitalien die standesamtlichen Hochzeiten mehr als die Hälfte aller Eheschließungen ausmachen, bevorzugen
heiratswillige Paare in den süditalienischen Regionen traditionsgemäß den kirchlichen Ritus (2018: letzte verfügbare gesamtstaatliche Daten).

In den Städten Bozen und Meran haben nur noch 12,4 Prozent und 11,4 Prozent der Hochzeitspaare die Eheschließung vor dem Traualtar zelebriert. Die klare Mehrheit der Paare lässt sich standesamtlich trauen.

Den höchsten Anteil kirchlicher Eheschließungen verzeichnen im Jahr 2019 die Bezirksgemeinschaften Pustertal (39,4 Prozent) und Salten-Schlern (34 Prozent). Stärker traditionell geprägt bleibt das Heiratsverhalten in den ladinischen Gemeinden, wo sich 44 Prozent kirchlich trauen ließen.

Der Rückgang der kirchlichen Trauungen lässt sich durch die fortschreitende Säkularisierung, die Zunahme der Zweitehen und interkonfessionellen Hochzeiten aber auch durch die neuen, gesetzlich geregelten Formen des Zusammenlebens und den Wandel der
Einstellung zu Ehe und Familie erklären.

Zweitehen

Obwohl die Zahl der Hochzeiten zwischen Personen, die zum ersten Mal heiraten, in den letzten fünfzehn Jahren etwas zugenommen hat, ist ihr prozentueller Anteil von 86,5 Prozent auf 75,6 Prozent gesunken. Es sind überwiegend Geschiedene, die ein weiteres Mal heiraten: Bei 34,2 Prozent der Zweitehen ist der Mann geschieden und die Frau ledig und in 26,4 Prozent der Fälle ist es umgekehrt, während bei 33,3 Prozent der Wiederverheirateten beide Partner schon eine Scheidung hinter sich haben. Die Quote der Verwitweten, die sich noch einmal trauten, ist viel niedriger und liegt bei 6 Prozent.

Männer tendieren bis ins hohe Alter, nach dem Tod der Partnerin oder einer Scheidung wieder zu heiraten, während Frauen eine Zweitehe vorwiegend zwischen 40 und 54 Jahren eingehen.

Es wird immer später geheiratet

Die Ehe wird schon lange nicht mehr zwangsläufig als Voraussetzung für eine Familiengründung angesehen. Das ist wahrscheinlich auch der Hauptgrund, weshalb viele Paare den entscheidenden Schritt hinauszögern. Der Trend zur immer späteren Hochzeit dürfte zudem
auf die gestiegene Ausbildungszeit zurückzuführen sein, aber auch, dass immer mehr Paare zuerst unverheiratet zusammenleben.

Das durchschnittliche Alter des Bräutigams bei der Erstheirat liegt im Jahr 2019 bei 37,8 und jenes der Braut bei 35,0 Jahren. Zwanzig Jahre zuvor waren beide Brautleute etwa fünf Jahre jünger. Der mittlere
Altersunterschied zwischen Braut und Bräutigam von rund drei Jahren bleibt hingegen konstant.

Auf gesamtstaatlicher Ebene gehen Braut und Bräutigam das Wagnis der Ehe im Schnitt etwas früher ein, und zwar mit 32,5 bzw. 35,4 Jahren (2018).

Ehe zwischen In- und Ausländern

Im Bezugsjahr wurden 370 Ehen eingegangen, beidenen entweder der Bräutigam oder die Braut einer ausländischen Nationalität angehört. Das entspricht einem Anteil von 16,5 Prozent an den gesamten Eheschließungen. Dabei haben mehr als doppelt so viele Männer als Frauen einen ausländischen Partner geehelicht (252 gegenüber 118). Größtenteils handelt es sich bei den Eingeheirateten um Bürger aus Europa,vor allem aus dem deutschen Kulturraum. Die Frauen
stammen vermehrt auch aus osteuropäischen Staaten.Südtirol ist bei Brautpaaren mit ausländischem Wohnsitz sehr beliebt: Bei 15,9% (356) der im Jahr 2019 in Südtirol geschlossenen Trauungen hatten die Brautleute ihren Wohnsitz vor und nach der Hochzeit im Ausland, unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft.

Allein 237 Paare aus Deutschland haben Südtirol als Kulisse ihrer Traumhochzeit auserkoren. Klarer Favorit als Heiratsort sind die Gemeinden des Burggrafenamtes mit 97 Trauungen. Es folgen die Bezirksgemeinschaften Salten-Schlern (58), Pustertal und Überetsch-Südtiroler Unterland (jeweils 53).

Lebenspartnerschaften

Mit Gesetz vom 20. Mai 2016, Nr. 76 (sog. „Legge Cirinnà“), in Kraft seit 5. Juni 2016, werden nun erstmals auch in Italien die eingetragene Lebenspartnerschaft (zwischen zwei Menschen gleichen Geschlechts)
sowie die nichteheliche Lebensgemeinschaft (sowohl zwischen gleichgeschlechtlichen als auch verschiedengeschlechtlichen Partnern) geregelt. Vor Einführung dieses Gesetzes gehörte Italien noch zu den wenigen europäischen Staaten, die solche Paarbeziehungen nicht offiziell anerkannten.

Eine nichteheliche Lebensgemeinschaft kann zwischen volljährigen, unverheirateten Personen, die nicht durch Verwandtschaft, Verschwägerung, Adoption, Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft verbunden sind, eingegangen werden. Voraussetzung ist
der gemeinsame Wohnsitz, der mit der meldeamtlichen Erklärung begründet wird. Die Lebenspartner haben einige eheähnliche Rechte und Pflichten. Vermögensrechtliche Regelungen wie Güterstand, Unterhalt, Erbrecht usw. können in einer Lebensgemeinschaft jedoch nur durch einen von einem Rechtsanwalt oder Notar beglaubigten Lebensgemeinschaftsvertrag geregelt werden. Der schriftlich abgefasste
Vertrag muss innerhalb von zehn Tagen der Wohnsitzgemeinde des Paares zwecks Eintragung im Meldeamt übermittelt werden.


21 Homo-Ehen

Die eingetragene Lebenspartnerschaft zwischen Personen desselben Geschlechts ist in vielerlei Hinsicht einer Ehe gleichgestellt. Die eingetragene Lebenspartnerschaft wird mittels Erklärung vor dem Standesbeamten und in Anwesenheit von zwei Zeugen begründet. Die Vermögenssituation ist, wie bei der Ehe, bereits gesetzlich geregelt. Die Lebenspartnerschaft endet mit dem Tod eines Partners oder
kann einseitig oder einvernehmlich aufgelöst werden.

Nach Ablauf von drei Monaten ab dem Datum der Willensbekundung der Auflösung vor dem Standesbeamten kann der entsprechende Antrag auf Auflösung eingereicht werden.

Im Jahr 2019 wurden 21 gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften standesamtlich eingetragen (15 männliche und 6 weibliche Paare).





astat/vs

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