Freitag, 05. Mai 2017

Ja zur Ehe, aber nicht mehr in Weiß

Im Jahr 2016 haben sich 2135 Paare das Ja-Wort gegeben, 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Geheiratet wird aber immer mehr vor dem Standesamt, so das Landesamt für Statistik (Astat) in seinem Bericht.

Die Ehe ist tot, es lebe die Ehe: Immer mehr Südtiroler heiraten, doch anders als es ihre Eltern taten.
Die Ehe ist tot, es lebe die Ehe: Immer mehr Südtiroler heiraten, doch anders als es ihre Eltern taten. - Foto: © shutterstock

Die gute Nachricht zuerst: Die Ehe ist keine tote Institution. Immer mehr Südtiroler wagen es den Bund fürs Leben einzugehen. Im Jahr 2016 waren es 2.135 Paare, das entspricht 4,1 Hochzeiten je 1000 Einwohner. Damit liegt Südtirol weit über dem italienischen Durchschnitt: Unsere südlichen Nachbaren im Trentino heiraten beispielsweise nur 2,9 Mal auf 1000 Bürger. Die einzigen Regionen, die gleich heiratswillig sind wie die Südtiroler, sind die Sizilianer und Kalabresen.

Es gibt einen Haken

Die Ehewilligen sagen heute zu ihren eigenen Bedingungen „Ja“. Hochzeit heißt nicht mehr Pfarrer und weißes Kleid: Beinahe 70 Prozent der Südtiroler heiraten am Standesamt. Dabei variiert diese Zahl stark zwischen Stadt und Land. In Abtei heirateten beinahe 60 Prozent kirchlich. In Bozen und Meran hingegen sind es weniger als 18 Prozent. Das hänge vor allem mit der fortschreitenden Säkularisierung und der Zunahme der Zweitehen zusammen, so die Experten des Astats.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Aufgeschlossen sind die Südtiroler Paare auch, wenn es ums Geld geht. Vermehrt entscheiden sie sich für die Gütertrennung: Während 1998 der gemeinsame Güterstand noch Standard war, haben sich 2016 insgesamt 66 Prozent der Neuvermählten dagegen ihn entschieden. Im Vergleich mit anderen Regionen hat Südtirol jedoch mit fast 37 Prozent noch am meisten Ehepaare, die sich für eine gemeinsame Haushaltskasse entschieden haben.

Beim zweiten Mal umso süßer

Nur mehr 80 Prozent vermählen sich zum ersten Mal. Die 20 Prozent, die nun zum zweiten Mal „Ja“ sagen, haben sich in den vergangen Jahrzehnten verdoppelt. Dabei sind es sehr selten (8 Prozent) Verwitwete, die ihr Herz erneut vergeben haben, sondern meistens Paare, bei denen ein oder beide Partner bereits geschieden wurden. Am häufigsten sind dabei Ehen zwischen geschiedenen Männer und ledigen Partnerinnen (35,5 Prozent). Zu fast gleichen Teilen heiraten geschiede Frauen einen noch ledigen Partner (29 Prozent) oder es heiraten Partner, die beide bereits geschieden sind (27 Prozent).

Später Sprung

Die Südtiroler trauen sich immer später. Durchschnittlich waren die Eheleute im Jahr 2016 nämlich 36,7 Jahre (er) und 34 Jahre (sie). Vor 20 Jahren lag dieser Durchschnitt noch 5 Jahre niedriger.

Malerische Südtiroler Kulisse

Bei 14 Prozent der geschlossenen Ehen im Jahr 2016 waren ein oder beide Partner aus dem Ausland. Besonders beliebt ist Südtirol bei deutschen Paaren: Über 200 bundesdeutsche Paare sind im vergangenen Jahr in Südtirol den Bund der Ehe eingegangen. Gerne wird dabei im Burggrafenamt (108 Trauungen) und im Bezirk Salten-Schlern (50 Trauungen) geheiratet.

Gleichgeschlechtliche Paare wagen sich nur zaghaft

Mit 5. Juni 2016 wurden zwei neue Formen der eingetragenen Partnerschaft in Italien legalisiert. Einmal die nichteheliche Lebensgemeinschaft, die per Vertrag vor Anwalt oder Notar beschlossen werden kann. Sie beinhaltet einige eheähnliche Rechte und Pflichten und wurde von 64 Paaren gewählt. Ebenfalls eingeführt wurde die eingetragene Lebenspartnerschaft, die der Ehe in vielen Bereichen gleichgestellt ist und vor einem Standesbeamten vollzogen wird. Nur 17 Südtiroler Paare haben sich dafür entschieden – davon 13 männliche und 4 weibliche Ehepaare.

wh/stol

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