Mittwoch, 13. Juli 2016

Jahrestag: Ein Südtiroler im Spanischen Bürgerkrieg

Am 13. Juli jährt sich zum 80. Mal der Putsch von Francisco Franco, der Spanien in einen vierjährigen Bürgerkrieg und später in eine beinahe 40 Jahre lange Diktatur stürzte. An diesem Jahrestag blickt wir auf das bemerkenswerte Schicksal des Wilhelm Schrefler zurück, einem Meraner, der zwischen 1937 und 1939 in Spanien kämpfte.

Wilhelm Schrefler während des Spanischen Bürgerkriegs. - Foto: Südtiroler Landesarchiv
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Wilhelm Schrefler während des Spanischen Bürgerkriegs. - Foto: Südtiroler Landesarchiv

Wilhelm Schrefler wurde am 12. Februar 1905  in Meran geboren. Er und sein Bruder Ludwig wuchsen in einem Waisenhaus auf. Als er dann 1935 für den Abessinienkrieg, bei dem Italien unprovoziert Äthiopien attackierte, eingezogen wurde, nannte er sich - um im italienischen Heer nicht angefeindet zu werden - Guglielmo Sandri.

Er hielt sich dabei nicht an die von Ettore Tolomei vorgegebene Übersetzung, sondern inspirierte sich wohl an seinem Lieblingsrennfahrer: In den 1930er Jahren war Guglielmo Sandri der weltweit bekannteste italienische Motoradfahrer und fuhr für die „Scuderia  Ferrari“.

Nicht nur Soldat, auch Dolmetscher und Fotograf

Sandri (Schrefler) war kein gewöhnlicher Soldat, sondern interessierte sich für viel mehr als „nur“ für den Krieg. Der Legionär Renzo Lodoli aus seiner Division „Littorio“ - eine Abordnung italienischer Freiwilligen, die in Cadiz und Madrid stationiert war und die Franquisten unterstützte, erinnerte sich an seine Leidenschaft fürs Fotografieren und seine Deutschkenntnisse, die Scherfler als Dolmetscher nutzte.

Er war ein begeisterter und technisch versierter Fotograf, der die spanischen Kriegsjahre von 1937 bis 1939 im Bild festhielt. Nach dem Sieg der Aufständischen und den Beginn Francos Diktatur ab 1939, zog sich Schreflers Abordnung aus Spanien zurück.

2. Weltkrieg: Sandri fotografiert weiter

Sandri (Schrefler) fotografierte auch während des Zweiten Weltkriegs, zunächst in Jugoslawien und schließlich in Nordafrika. In der Schlacht von El Alamein (1942) wurde er schwer verwundet und zur Genesung nach Bologna gebracht.

Nachdem er 1949 entlassen wurde, lernt er dort seine spätere Frau Norma Pezzoli kennen. Mit ihr zog er nach Sterzing und führte dort bis zu seinem Tod 1979 ein Tourismusbüro. In Sterzing kam er jedoch nie richtig an: Man hielt ihn für einen Italiener mit außergewöhnlich guten Deutschkenntnissen.

Fotos sind im Landesarchiv konserviert

Aus seiner Zeit in Spanien hat Wilhelm Schrefler der Nachwelt ungefähr 4000 Fotografien hinterlassen. Nach dem Tod seiner Frau Norma wären diese beinahe verloren gegangen, hätte 1992 eine Passantin die Fotos nicht aus einer Mülltonne gefischt.

2004 wurden die Fotos vom Südtiroler Landesarchiv erworben und 2007 wurden in einer gemeinsamen Ausstellung mit dem "Museu d'Història de Catalunya" in Barcelona und Bozen gezeigt.

stol/wh

stol