Montag, 19. Juli 2021

Jahrhundert-Hochwasser: Als in Salurn das Wasser 6 Meter hoch stand

Am 19. Juli 1981 kam es zu einer der größten Naturkatastrophen in der jüngeren Geschichte Südtirols: Vor 40 Jahren, um 3.15 Uhr in der Früh, brach der Etschdamm zwischen Salurn und Laag auf dem orographisch linken Ufer. Es war der Beginn einer Katastrophe, die im ersten Moment unterschätzt wurde.

550 Hektar Land, 260 Wohnungen, 34 Handels- und Handwerksbetriebe in Salurn standen unter Wasser und ein Drittel der Bevölkerung  musste evakuiert werden.
Badge Local
550 Hektar Land, 260 Wohnungen, 34 Handels- und Handwerksbetriebe in Salurn standen unter Wasser und ein Drittel der Bevölkerung musste evakuiert werden. - Foto: © Dolomiten
Salurn war in seiner Geschichte schon einige Male vom Hochwasser heimgesucht worden und zwar im 19. Jahrhundert. Das Dorf war in tieferen Lagen am 17. September 1882 und am 11. September 1888 überschwemmt worden. Vor 40 Jahren wurde es dramatischer: 3 Stunden nach dem Dammbruch erreichte der Wasserstrom Salurn. Die Lage spitzte sich zu; das Wasser stieg und stieg. Viele wurden im Schlaf vom Hochwasser überrascht, sie verließen später das Haus mit dem Boot. Trinkwasser, Strom und Telefon fielen aus. Das Gebiet zwischen Laag und Salurn lag metertief unter Wasser; es glich einem großen See. Salurn war von den der Außenwelt nicht zu erreichen, außer mit dem Boot.




Wasserstand ist 6 Meter hoch

In der Trientstraße und im neuen Wohnbaugebiet Adlermösl lag der Wasserpegel an einigen Stellen 6 Meter hoch. Die Umkleideräume am Salurner Sportplatz, der zerstört wurde, lagen gänzlich unter Wasser.

Gegen 16 Uhr des 19. Juli erreichten die Fluten ihren Höchststand.



Das Wasser floss nur langsam ab, zumal die Pumpstation an der Salurner Klause auch beschädigt war. Damals hatte das Land Südtirol in Sachen Etsch wenig Einfluss; die Entscheidungen oblagen dem Wassermagistrat in Venedig. Dieser verbot die Öffnung des Dammes im Süden, eigentlich die beste Lösung, um das Wasser abfließen zu lassen. 16 Salurner übernahmen daher am 21. Juli frühmorgens die Initiative, und rissen unter großer Gefahr mit Pickel und Schaufel im Süden den Damm auf. Das Wasser begann daraufhin sofort abzufließen.

Erst dann bemerkte man den Schaden: Schlamm und Schweröl boten ein Bild der Zerstörung. In den darauffolgenden Tagen begann man mit den Aufräumarbeiten. Es waren bewegende Momente, eine Welle der Solidarität unter der Salurner Bevölkerung machte sich breit. Jeder half jedem. Spendenaktionen wurden landesweit gestartet. Neben der Salurner Feuerwehr, die in diesen Tagen selbstlos rund um die Uhr im Einsatz war, waren auch mehrere Feuerwehren Südtirols an den Arbeiten beteiligt. 550 Hektar Land, 260 Wohnungen, 34 Handels- und Handwerksbetriebe in Salurn standen unter Wasser und ein Drittel der Bevölkerung musste evakuiert werden. Auch in Laag gab es Schäden, vor allem in den Obstwiesen. Für ihre Tat hatten sich die „Dammbrecher“ vor Gericht zu verantworten. Sie wurden aber freigesprochen, da sie im öffentlichen Interesse gehandelt hatten.

Alte Brücke von 1911 abgerissen

Nach der Überschwemmung 1981 wurde die alte, bogenförmige Etschbrücke aus dem Jahr 1911 abgerissen. An dieser Brücke staute sich nach starkem Regen immer wieder das Wasser. 1984 wurde eine neue, höhere Brücke gebaut. Diese wurde vor einigen Jahren wiederum durch eine neue Brücke ersetzt. Für die Dammsicherung war aber vor allem die Übertragung der Zuständigkeit an das Land entscheidend.

Viele Salurner erinnern sich an die Ereignisse vor 40 Jahren. Doch die Angst im Dorf vor neuen Überschwemmungen schwindet. Die Gründe: Die Zeit heilt die meisten Wunden, die neuen Generationen haben die Katastrophe nicht miterlebt, die Dämme sind nun bedeutend sicherer und die Überwachung ist ausgebaut worden.

Ausstellung im Ansitz Herrenhof

Das Wichtigste vor 40 Jahren war aber, dass kein Mensch zu Schaden kam. Eine Ausstellung im Ansitz Herrenhof zeigt nun, bis zum 24. Juli, am Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils am Abend Bilder und Videos aus der damaligen Zeit.

Wie zerstörerisch Hochwasser sein kann, offenbarte sich in den vergangenen Tagen aufs Neue. In Deutschland, Belgien und Österreich brachte es Verwüstung und Tod.

rd