Montag, 06. April 2020

Schule erst wieder im Herbst? „Noch nicht bestätigt, aber sehr wahrscheinlich“

Laptop statt Schulklasse, viel Umstellungsarbeit für Schüler, Lehrpersonen, Direktionen, Schulämter und die Eltern: Wie das Schulwesen damit umgeht und wie es weitergehen soll, darüber berichteten Landeshauptmann Arno Kompatscher und die Landesräte für deutsche, italienische und ladinische Bildung Philipp Achammer, Giuliano Vettorato und Daniel Alfreider in der virtuellen Landesmedienkonferenz“ am Montag.

Das Thema Schule stand bei der Medienkonferenz am Montag im Fokus. v.l : Alfreider, Vettorato, Achammer und Kompatscher.
Badge Local
Das Thema Schule stand bei der Medienkonferenz am Montag im Fokus. v.l : Alfreider, Vettorato, Achammer und Kompatscher. - Foto: © lpa
Wie gewohnt präsentierte Kompatscher zunächst die aktuellen Daten und Fakten rund um das Coronavirus und Covid-19.

Kompatscher wies anschließend noch einmal auf die neue Verordnung hin. Ab Dienstag ist das Tragen des Mundschutzes/Tuch/Bedeckung Pflicht, ein Verstoß dagegen wird geahndet. Dies gilt sowohl beim Verlassen des Hauses und auch beim Einkaufen.

Anschließend ergriff Philipp Achammer das Wort und erläuterte die wichtigsten Neuigkeiten aus Rom zum Thema Schule und klärte über den Fortlauf des Fernunterrichts auf.Schul-Dekret

Dass die Schulen, wie berichtet, erst im Herbst öffnen, sei zwar sehr wahrscheinlich, allerdings noch nicht aus Rom bestätigt, stellt Achammer klar. Vielmehr spreche man derzeit von einem ganz bestimmten Datum, von dem Vieles abhänge: Der 18. Mai.

Einen Moment Bitte - das Video wird geladen



Matura und Mittelschulprüfung

Es gebe im Moment 2 Szenarien was das Ende des Schuljahres bzw. die Abschlussprüfungen in Mittel- und Oberschule betrifft. Stichdatum ist hier der 18. Mai.

Können die Schulen vor dem 18. Mai öffnen, finden Mittel- und Oberschulprüfungen, sprich Matura, statt, allerdings auch da in einer stark veränderten, verschlankten Form.

Öffnen die Schulen nicht mit 18. Mai, wird es keine Mittelschulprüfung geben, die Matura werde in dem Fall nur mündlich und online stattfinden.

Eine Zulassung zu den jeweiligen Prüfung ist in jedem Fall gegeben.

Versetzung
für alle?

Auch was die Versetzungsmodalität im Schuljahr 2019/20 betrifft, warte man noch auf das frisch unterzeichnete Ministerialdekret aus Rom, das der Landesregierung derzeit noch nicht vorliegt. Man könne aber davon ausgehen, dass alle Schüler versetzt werden, die Leistungen im Fernunterricht werden allerdings sehr wohl bewertet. Sind Schüler in einzelnen Fächern negativ, werden sie im Herbst Aufholunterricht absolvieren müssen. Details dazu werde man zu einem späteren Zeitpunkt mitteilen.



Wie funktioniert der Fernunterricht?

Der Fernunterricht musste über Nacht aktiviert werden, die derzeitige Situation sei für alle eine Herausforderungen, so der Schullandesrat Achammer. Er wie auch Alfreider lobten die schnellen und guten Lösungen, die die einzelnen Schulen und Lehrpersonen in kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben. Auf Bildungsgerechtigkeit habe man ebenso geachtet, wie darauf, niemanden zurückzulassen. Dabei sei es Südtirols Schule zugutegekommen, dass digitale Bildung längst kein Fremdwort mehr war.

„Digitale Bildung zählt zu den Schwerpunkten im Arbeitsprogramm der Deutschen Bildungsdirektion“, betonte Landesrat Philipp Achammer, „alle an Schule Beteiligten können ihr Wissen in diesem Bereich nutzen und ausbauen. Dabei stehen neben dem Programm auch die neuen Lernformen und die veränderte Art des Lernens im Vordergrund.“ Dies geschehe mit Hilfe von Internet, Cloudsystemen, digitalem Register, dem Bildungsserver „Blikk“, neuen Tools wie Office 365 und verschiedenen Lern-Apps, bei Online-Konferenzen über altersgerecht Blogs und unter Einsatz eigner Endgeräte, sagte der Landesrat. Die Bildungsdirektion unterstützt den digitalen Unterricht auf Bezirksebene durch „Digi-Coaches“, zudem werde telefonisch Unterstützung angeboten.

Alle Angebote gut genutzt

„Wir haben Angebote für alle Altersstufen, vom Kindergarten bis zur Oberschule, und für alle Fächer. Und auch die Lehrkräfte der Musikschulen und der Berufsbildung begleiten die Lernenden über den Online-Unterricht, wo auch praktische Aufgaben nicht zu kurz kommen“, betonte Landesrat Achammer. Alle Angebote würden durchwegs gut genutzt werden. Achammer verwies auch auf die Maßnahmen, die im Bildungswesen zur finanziellen Unterstützung der Familien getroffen worden sind, nämlich die Aussetzung der Schülerbeiträge und die Ausgabe von Leihgeräten. Ein wichtiger Schritt sei gesetzt, nun gelte es die Lernplanung beispielsweise durch Wochenpläne besser zu koordinieren und die abschließenden Monate des Schuljahres abhängig von den Vorgaben aus Rom gut zu Ende zu bringen.

Gadertal und Gröden

Der ladinische Bildungslandesrat Daniel Alfreider betonte, dass alle Schulen in Gröden und im Gadertal digitale Prozesse und Wege für neue Formen des Unterrichts nutzen. „Im vergangenen Jahr haben wir eine größere Menge an digitalen Geräten gekauft, was uns in dieser Situation nun zugutekommt“, berichtet der ladinische Bildungslandesrat. Großteils gebe es im Gadertal und in Gröden bereits gute Internetverbindungen. Allerdings gebe es immer noch Situationen, sowohl bei einigen Lehrpersonen als auch daheim in den Familien, in denen das Netz oder die Computer nicht ausreichten. Vor allem Familien mit mehreren Kindern haben oft nicht genügend PCs und Tablets. „Mein Auftrag an unsere Verantwortlichen ist ganz klar, so schnell wie möglich, Lösungen für unsere Lehrer und Familien vorzusehen“, sagt Alfreider. „Wir unternehmen alles, um den Unterricht auch in dieser besonderen Zeit weiterzuführen“, resümierte der Landesrat.

Italienische Schulen

Auch an den italienischen Schulen konnte der Fernunterricht gut etabliert werden, berichtete Landesrat Giuliano Vettorato. „Die Bildungsarbeit konnte in allen Einrichtungen und allen Bildungsstufen dank digitaler Hilfsmittel fortgesetzt werden. Das digitale Register ermöglicht es, Lehr- und Lernmaterialien zu verteilen, mit den Familien zu kommunizieren und so die Unterrichtswochen zu planen.“ Es seien auch Maßnahmen getroffen worden, um sicherzustellen, dass alle Schüler am Fernunterricht teilnehmen können. So wurde für den Kauf von Computern, Tablets, Hotspots und Plattformen auf den Europäischen Sozialfonds zurückgegriffen. Unterstützung bei der digitalen Ausstattung sei auch von verwaltungsfremden Partnern wie der Südtiroler Sparkasse und dem Alpenverein Cai gekommen. Besonders unterstützt würden Schüler und Schülerinnen mit Behinderungen und besonderen pädagogischen Bedürfnissen. „Es ist wichtig, diesen Kindern in dieser schwierigen Zeit eine noch größere Unterstützung zukommen zu lassen“, erklärte Landesrat Vettorato.

Die Videos der Medienkonferenz mit Übersetzung in Gebärdensprache (dt.+ital.) und eine Verschriftlichung des Inhalts in Textform sind jeweils am Folgetag ab spätestens 9.30 Uhr im Bereich „Coronavirus“ der Internetseite des Landes Südtirol abrufbar.

vs/lpa