<b>Herr Schweigl, beobachten Sie, dass sich bei Trauerfeiern immer mehr Menschen für einen Trauerredner anstatt für einen Priester entscheiden?</b><BR />Günther Schweigl: Ja, das beobachte ich besonders bei jüngeren Menschen, die sich für sich selbst, ihren Partner oder für ihre Eltern einen Trauerredner bei der Verabschiedung wünschen. Der Glaube schwindet bekanntlich. Und viele kommen mit unserer Kirche einfach nicht mehr zurecht, suchen im Todesfall aber dennoch nach einem würdevollen Rahmen, um von ihren Lieben Abschied zu nehmen.<BR /><BR /><b>Dann springen Sie sozusagen für den Priester ein?</b><BR />Schweigl: Ja, so kann man es sagen. Mir ist dabei aber wichtig zu betonen, dass ich den Priester nicht ersetze, sondern nur einen Wunsch der trauernden Angehörigen erfülle. Davor ermutige ich die Trauerfamilien immer dazu, die christliche Trauerkultur zu pflegen. Doch bevor ich eine Familie abweise, übernehme ich die Rolle des Trauerredners und kümmere mich auch um die gesamte Verabschiedungsfeier – um Blumen, Musik und vieles andere mehr. Als Trauerredner bin ich jemand, der eine Lücke schließt, damit auch nichtgläubige Seelen einen würdigen irdischen Abschied bekommen.<BR /><BR /><b>Was beinhaltet eigentlich eine Trauerrede?</b><BR />Schweigl: Ich persönlich bringe das Leben des Verstorbenen zur Sprache – sozusagen einen erweiterten Lebenslauf, in dem ich an die wichtigsten Stationen erinnere. Dabei habe ich natürlich auch einen psychologischen Hintergedanken: In die Rede soll Emotion einfließen, und sie soll letztlich positive Spuren im Trauerprozess hinterlassen und zur Aufarbeitung beitragen. Die Menschen sollen nicht völlig traurig und voller Tränen, sondern mit einem Lächeln nach Hause gehen. Die Finsternis soll ein Stück weit erhellt werden.<BR /><BR /><b>Die christliche Botschaft von Tod und Auferstehung sprechen Sie dann gar nicht an?</b><BR />Schweigl: Meine Trauerreden sind immer neutral – außer, es wird ausdrücklich anders gewünscht. In einem solchen Fall leitet jedoch in der Regel ein Priester die Trauerfeier. Wichtig ist mir, in meinen Reden stets zu betonen, dass kein Mensch nach seinem Tod vergessen wird, solange man über ihn spricht. In jede Trauerrede baue ich deshalb auch ein Sprichwort des deutschen Philosophen Immanuel Kant ein: „Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern. Tot ist nur, wer vergessen wird.“ Aber auch abseits der Religion möchte ich den Menschen Hoffnung auf ein Wiedersehen geben – denn eine Trauerrede soll heilend wirken, Hoffnung schenken und zu positiven Gedanken anregen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1241604_image" /></div> <b>Sie sind auch Trauerbegleiter. Kann man das als Konkurrenz zu Notfallpsychologie und Notfallseelsorge sehen?</b><BR />Schweigl: Nein, einen Trauerbegleiter kann man nicht mit einem Notfallseelsorger oder einem Notfallpsychologen vergleichen, die im Akutfall gerufen werden. Als Trauerbegleiter bin ich nicht der „Notarzt“ wie die Notfallseelsorge oder die Notfallpsychologie, sondern eher der „Vertrauensarzt“, der über einen längeren Zeitraum begleitet – um es bildlich auszudrücken. Wir Trauerbegleiter sind eben Begleiter, keine Therapeuten. Wir sprechen viel mit den Trauernden, bringen Empathie mit, hören zu und suchen mit den Betroffenen nach Wegen, wie sie den Verlust verarbeiten und wieder in den Alltag zurückfinden können. Und wenn wir merken, dass professionelle therapeutische Hilfe notwendig ist, begleiten wir die Betroffenen natürlich auch dorthin.<BR /><BR /><b>Haben Sie Ihre eigene Trauerfeier schon geplant?</b><BR />Schweigl: Natürlich – schon vor 20 Jahren habe ich festgehalten, wie sie ablaufen soll. Damals gehörte ich zum Weißen Kreuz und hatte als Sanitäter große Schwierigkeiten mit dem Tod. Er war mein Gegner, und ich brauchte schließlich auch psychologische Hilfe. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Priester die Trauerfeier für mich hält – er sollte mich aber gut kennen. Auch einer Seebestattung wie bei den Wikingern wäre ich nicht abgeneigt; das ist bei uns allerdings nicht möglich.<BR /><BR /><b>Gibt es für Sie ein Danach – etwas jenseits des Todes? </b><BR />Schweigl: Ich glaube auf jeden Fall, dass es nach dem Tod etwas gibt, dass die Seele in irgendeiner Gestalt oder Form weiterlebt. Den Glauben an ein Wiedersehen habe ich, und jede Seele, die ich begleiten darf, ist für mich ein Schutzengel. Und ich hoffe sehr, diesen Menschen irgendwann zu begegnen.