Freitag, 26. Februar 2016

"Jemand will mir den Eintrag in die Geschichtsbücher vermasseln"

"Ich habe keinen Cent eingesteckt", sagt Luis Durnwalder am Freitag im Sonderfonds-Prozess am Landesgericht aus. Wie der Alt-Landeshauptmann erklärt, verstehe er nicht, dass Gesetze für andere Geltung haben sollen, für ihn aber nicht. Er habe nichts getan, was nicht schon andere vor ihm getan hätten.

Gefragter Mann, in der Politik genauso wie im Gerichtssaal: Luis Durnwalder hat am Freitag als Zeuge ausgesagt.
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Gefragter Mann, in der Politik genauso wie im Gerichtssaal: Luis Durnwalder hat am Freitag als Zeuge ausgesagt.

Im Prozess rund um den Sonderfonds geht es um Unterschlagung im Amt und illegale Parteienfinanzierung: Zuwendungen für Musikkapellen, Essen und Geschenke, die Durnwalder in seiner Amtszeit als Landeshauptmann getätigt hatte, werden ihm von der Staatsanwaltschaft in dem Prozess vorgeworfen (STOL hat berichtet, was konkret beanstandet wird). 

Durnwalder sagt aus

Am Freitag trat Durnwalder dann als Zeuge auf. Er sprach "von kleinen Anerkennungen für das Volontariat". Und beteuerte abermals, dass er keinen Cent in die eigene Tasche gesteckt hatte. Diese Auffassung teilt auch Oberstaatsanwalt Guido Rispoli, Chefankläger in Prozess gegen Durnwalder. Dennoch sieht dieser nicht gesetzeskonforme Ausgaben aufscheinen.

"Auch andere haben das so gehandhabt"

"Silvius Magnago und die Landesräte haben das genauso gehandhabt", sagt Durnwalder. Er habe in gutem Glauben gehandelt. Das Gesetz sei für alle gleich. Er prangert dabei auch die Politik von heute an - und sieht deren Finger in der Causa mit im Spiel. "Ich habe das Gefühl, jemand will mir den Eintrag in die Geschichtsbücher vermasseln", so der Alt-Landeshauptmann.

Neuer Zeuge: Cuno Tarfusser?

In der Verhandlung hat die Verteidigung indes beantragt, den ehemaligen Oberstaatsanwalt Cuno Tarfusser in den Zeugenstand zu rufen. Dieser habe als Rispolis Vorgänger schon vor Jahren die Praxis von Spenden bei Maturabällen unter die Lupe genommen. Das hatte damals keine strafrechtlichen Konsequenzen.

Ob Tarfusser als Zeuge zugelassen wird, muss erst geklärt werden. Die Verhandlung wurde auf 11. März vertagt.

stol/ker/rc/liz

stol