Dagegen sind die Schädlinge im Obst- und Weinbau, die schon seit Jahrzehnten in Südtirol heimisch sind, wie der Apfelwickler, sehr gut an das Klima angepasst, berichtet der Koordinator des Beratungsringes, Robert Wiedmer.<BR /><BR />Die Kältewelle hat ihren Höhepunkt erreicht, schreibt Landesmeteorologe Dieter Peterlin. In der Nacht auf Donnerstag sanken die Temperaturen in Sexten auf minus 19 Grad, in Gargazon auf minus 12 Grad. Richtung Wochenende schwäche sich der Frost vorübergehend ab – ab Montag werde es noch einmal kalt, bevor die Kältewelle in der nächsten Woche „definitiv gebrochen“ werde.<BR /><BR />Auf Insekten hat die Kälte recht unterschiedliche Auswirkungen: Beim Borkenkäfer reagieren Eier und junge Larven empfindlich auf Temperaturen unter minus 10 Grad bis unter minus 15 Grad über mehrere Tage hinweg, erklärt Unterthiner. „Sie sterben dann ab. Eier und Larven sind am sensibelsten. Dagegen können ältere Larven, Puppen und Käfer auch lange Kälteperioden ohne große Verluste überstehen, indem sie ihren Stoffwechsel verlangsamen und unter der Rinde oder im Boden Schutz suchen.“ Gerade auf Borkenkäfer-Hotspots wie dem Oberpustertal könne sich die Kältewelle jetzt positiv auswirken. Entscheidender werde aber das Wetter im Frühjahr – ob die Fichten in einen Trockenstress geraten. <BR /><BR />Auch der Kiefern-Prozessionsspinner, ein mediterraner Falter, reagiert auf die Temperaturen: „Der Befall ist heuer stark. Es sind sehr viele Wattebäusche auf den Bäumen erkennbar. Sie ernähren sich von den Nadeln“, sagt Unterthiner. Die Kälte sei zwar für sie nicht günstig – aber um dem Forstschädling den Garaus zu machen, müssten die tiefen Temperaturen noch länger anhalten.<BR /><BR />Den Zecken kann die derzeitige Kälte nicht viel anhaben. Sie leben zumeist in tieferen Lagen als der Borkenkäfer – und sind sehr widerstandsfähig –, auch im Winter, sagt Unterthiner. „Erst bei länger anhaltenden Temperaturen unter minus 20 Grad verenden sie.“<BR /><BR />Die Kälte reduziert auch die Population der Tigermücke, weiß Alberta Stenico, Leiterin des Biologischen Landeslabors. Aber: „Die Tigermücke legt am Ende der Saison Eier, die kälteresistent sind. Diese Eier können auch minus zehn Grad für mehrere Tage überleben.“ Die Eier werden in der Erde versteckt – und in den Vasen sinken die Temperaturen nicht so stark, und somit können die Eier auf jeden Fall überleben, meint Stenico. Auch wenn die Population wegen der Kälte sinke, so erhole sich die Tigermücke sehr schnell. Deshalb seien Präventionsmaßnahmen wichtig.<BR /><BR />Wespen leiden unter der Kälte – und verenden auch, berichtet Andreas Wenighofer, Kammerjäger aus Jenesien. „Die Königin überlebt aber meistens und fängt dann wieder an, Eier zu legen.“ Den Kakerlaken in den Kanalisierungen hingegen tue die Kälte nichts.<BR />Die Marmorierte Baumwanze stammt aus Asien – und auch in ihrem Ursprungsgebiet war es kalt, weiß Robert Wiedmer (Beratungsring). „Sie ist deshalb auf unser Klima sehr gut eingestellt.“ In Überwinterungsquartieren wie Häusern, Schuppen oder unter dem Laub finde sie Schutz. Zwar werden auch einige erwachsene Tiere verenden – aber eine starke Reduktion sei nicht zu erwarten. <BR /><BR />Für die Kirschessigfliege gilt: Manche Fliegen überleben immer. „Entscheidender sind die Temperaturen im Frühjahr und Sommer“, erklärt Wiedmer. Kirschessigfliegen-Weibchen legen Hunderte Eier – und es entwickeln sich zahlreiche Generationen pro Jahr. Da spielen dann die Bedingungen im Winter überhaupt keine Rolle.<BR /><BR />Heimische Insekten – phytophage (pflanzenfressende) und indifferente – sind an solche Temperaturen angepasst, schreibt Manfred Wolf, Leiter des Fachbereichs Schädlinge und Pflanzenkrankheiten in der Laimburg. „Man kann davon ausgehen, dass tiefe Temperaturen Insekten und Arthropoden (Gliederfüßler, Anm. der Red.) dazu bringen, ihre Reserven zu schonen. Eher sind wechselnde Temperaturen – normale Kälteperioden, welche von Wärmeeinbrüchen unterbrochen werden – für Insekten und Arthropoden nachteilig“, erklärt Wolf.