Samstag, 18. März 2017

Josef Mayr-Nusser selig gesprochen

Im Dom zu Bozen wurde am Samstag Josef Mayr-Nusser selig gesprochen. Für Kurienkardinal Angelo Amato ist der SS-Eid-Verweigerer auch für heute ein Vorbild, sich "den Götzen seiner Zeit entgegenzustellen".

Badge Local
Foto: © STOL

Der wegen seines Widerstands gegen den Nationalsozialismus zum Tode verurteilte Südtiroler Josef Mayr-Nusser (1910-1945) ist in Bozen zum Seligen der katholischen Kirche erklärt worden. 

Unter dem Vorsitz des Präfekten der Päpstlichen Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen, Kardinal Angelo Amato, und in Anwesenheit von Bischof Ivo Muser sowie mehrerer Bischöfe, zahlreicher Priester, Ehrengäste und Gläubiger wurde unter dem Motto "Zeuge sein" der Seligsprechungsgottesdienst für Josef Mayr-Nusser gefeiert. Amato würdigte ihn als „Märtyrer des Glaubens in der dunklen Zeit der Nazi-Diktatur und des Zweiten Weltkriegs“.

Der aus Bozen stammende Mayr-Nusser war nach dem deutschen Einmarsch 1944 zum Dienst bei der Waffen-SS eingezogen worden. Wegen seiner Weigerung, den SS-Eid abzulegen, wurde er zum Tod verurteilt. Auf dem Weg ins Konzentrationslager Dachau starb er am 24. Februar 1945 an den Folgen der Misshandlungen und der Entkräftung während seiner Haft.

Amato hob die Aktualität des Vorbilds Mayr-Nussers hervor, sich „den Götzen seiner Zeit entgegenzustellen“. Christen seien heute die am stärksten verfolgte Religionsgemeinschaft weltweit, so der Kardinal.

Das Christentum sei Hass, Verfolgung und Widerspruch ausgesetzt; das Evangelium werde verspottet, Gläubige ausgegrenzt und das christliche Auffassungen über Mann und Frau, Ehe, Leben und Tod lächerlich gemacht. Amato sprach von einer „tödlichen Umzingelung“. Personen wie Mayr-Nusser erinnerten hingegen an den „auch humanen Wert der christlichen Tugenden“.

Am Sonntag läuten die Glocken

Es war dies die erste Seligsprechung, die in der Diözese Bozen-Brixen stattfand. In Erinnerung an Mayr-Nusser werden am Sonntag um 12 Uhr alle Glocken der Diözese für zehn Minuten lang läuten.

Von einer historischen Bedeutung dieses Tages für Südtirol, für die christliche Glaubensgemeinschaft aber auch für die Gesellschaft allgemein spricht Landeshauptmann Arno Kompatscher: "Globaliserung einerseits und Individualismus andererseits prägen unsere Gesellschaft. Wir leben in einer Zeit, in der es schwierig geworden ist, allgemein gültige Werte zu definieren. Gerade in so einer Zeit sind Vorbilder wichtig. Josef Mayr-Nusser ist in seiner Standhaftigkeit und Kohärenz so ein Vorbild. Durch die Seligsprechung wird er verstärkt zu einer Südtiroler Symbolfigur gegen Totalitarismus, gegen die Missachtung von Minderheiten, ein Zeuge des Glaubens und der Solidarität."

apa/lpa/stol

stol