Warum die Krätze-Fälle in Südtirol immer mehr werden und weshalb der juckende Ausschlag für immer mehr Familien in Südtirol auch zu einem finanziellen Problem wird, weiß Professor Klaus Eisendle, Primar der Abteilung für Dermatologie am Krankenhaus Bozen.<BR /><BR />Zugenommen haben die Krätze-Fälle seit die Corona-Epidemie abgeklungen ist und wieder vermehrt gereist wird, berichtet Prof. Eisendle. <BR /><BR />Es handle sich um Hunderte Fälle pro Jahr in Südtirol, Tendenz steigend. Krätze (Scabies) ist eine Hautkrankheit, die von Milben verursacht wird. Diese sind nur 0,2 bis 0,5 Millimeter groß. Die Milben bohren sich in die oberste Hautschicht des Wirtes, um sich dort zu ernähren. Übertragen wird Scabies vor allem durch enge Hautkontakte. Die Eier der Milben und ihre Ausscheidungen führen bei den Menschen zu Hautreaktionen. Juckreiz tritt dann vor allem in der Nacht auf. Es können sich Blasen und Pusteln am Körper entwickeln. Von den Körperregionen sind besonders Zwischenfingerräume, Handgelenke, Ellenbogen und die Umgebung der Brustwarzen betroffen – aber auch der Penis. <h3> Asymptomatische Fälle als Risiko für Ausbreitung</h3>Erschwerend kommt bei Krätze hinzu, dass in Gemeinschaftseinrichtungen die Krätze auf viele Menschen übertragen werden kann: Je mehr Menschen auf engem Raum zusammen leben, desto größer die Gefahr. Nicht bei jedem, der die Milben in seinem Körper hat, kommt es zu Juckreiz. Und gerade solche Menschen, bei denen die Krätze asymptomatisch verlaufe, stecken dann häufig andere an, sagt Prof. Eisendle. <h3> Krätze wird oft aus Nicht-EU-Ländern eingeschleppt</h3>In den meisten Fällen werde die Krätze „importiert“ aus Nicht-EU-Ländern. In Nordafrika ist sie beispielsweise häufig, ebenso in den Tropen. In afrikanischen Ländern haben teilweise mehr als 10 Prozent der Bevölkerung Scabies, sagt Prof. Eisendle. Auch als Urlauber könne man die Milben einschleppen.<h3> Tabletten und Creme: Wirksam, aber teuer</h3> Krätze kann mit Tabletten und einer Creme gut behandelt werden, sagt der Primar. <BR /><BR /><embed id="dtext86-63695674_quote" /><BR /><BR />Dabei sei wichtig, dass alle Betroffenen bei der Behandlung gleichzeitig mit einbezogen werden – auch die nicht symptomatischen Familienmitglieder. Sonst könne das Problem immer wieder von vorne anfangen. Die Milben können beispielsweise auch im Kindersitz des Autos lauern – und das Baby bekomme deshalb immer wieder die Krätze.<BR />Die Medikamente seien nicht billig. Für eine 5-köpfige Familie könne die medikamentöse Komplettbehandlung mit Tabletten und Creme über 500 Euro kosten. Allein die Behandlung mit Tabletten koste 70 Euro pro Person – die Behandlung mit Creme noch einmal 38 Euro pro Person. Für Familien mit kleinem Budget sei dies oft schwer zu stemmen. So komme zu einem gesundheitlichen Problem oft noch ein finanzielles dazu. <h3> Patienten müssen Medikamente selbst zahlen</h3>Im Trentino bezahlt der Gesundheitsdienst die medikamentöse Krätze-Behandlung, ebenso in anderen Regionen Italiens – in Südtirol hingegen bisher nicht, bedauert Prof. Eisendle. Er hoffe deshalb, dass auch in Südtirol die medikamentöse Behandlung der Krätze bald die öffentliche Hand übernehmen werde – sprich das Land bzw. die Sanität. Wenn die Krätze aus finanziellen Gründen nicht behandelt werde, dann breite sie sich immer weiter aus – und werde zu einem immer größeren Problem. <h3> Manche Familien müssen bis zu 6-mal zur Behandlung</h3>Oft trete Krätze nicht nur einmal in der Familie auf, sondern öfters. Manche Familien müssen dann immer wieder behandelt werden. Sogar eine 6-malige Behandlung habe es bereits gegeben. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />