„Die Jugend steht unter Druck zwischen Kriegen, Krisen und Perspektivlosigkeit – und einem zunehmenden Gefühl der Ohnmacht. Der Protest ist Symptom. Doch schon wieder will keiner aufs Problem schauen“, so Kobler.<BR /><BR />Beide sind weit davon entfernt, Straftaten rechtfertigen zu wollen. Aber was beide umtreibt: Der Blick von Politik und Medien richte sich nur auf die Steinewerfer und nicht auf die Gründe für die – im Übrigen überwiegend friedlichen – Proteste. Das sei symptomatisch: „Schon wieder vermitteln Politik und die Gesellschaft, dass sie die Sorgen der Jugend nicht ernst nehmen“, sagt Kobler. <BR /><BR />Dabei habe die Jugend große Sorgen, ja Zukunftsängste: Krisen, Kriege, steigende Lebenshaltungskosten und über allem der nicht mehr aufzuhaltende Klimawandel, das alles zusammen sorge für eine Gefühlsgemengelage irgendwo zwischen Angst, Frust, Wut und Resignation.<BR /><BR />„Man muss sich nur die Schlagzeilen eines einzigen Tages anschauen: Die Erde steuert auf 2,8 Grad Erwärmung zu, leere Regale in italienischen Supermärkten, Trump paktiert mit Putin und in Südtirol wird aus einem geplanten Studentenwohnheim ein Hotel, weil sich Studenten keine Zimmer für 900 Euro leisten können. Das alles prasselt auf unsere Jugendlichen tagtäglich ein“, erklärt Perger. <BR /><BR />Reaktionen von Jugendlichen wie „und wir dürfen die Scheiße ausbaden, die ihr hinterlasst“ seien keine Seltenheit – und ein zumindest latentes Gefühl bei der Mehrheit der jungen Menschen. <BR /><BR />Und dazu, so Kobler, „bekommen viele von zu Hause hautnah mit, dass das Geld nicht reicht, obwohl beide Eltern voll arbeiten. Schon Schulausflüge werden in manchen Familien zur finanziellen Belastung. Geldsorgen reichen mittlerweile bis in die sogenannte Mittelschicht. Obdachlos trotz Vollzeitjob? Welche Perspektiven eröffnen sich denn so für junge Menschen?“ <BR /><BR />Und das, während Tech- und andere Konzerne Milliarden scheffelten und auf den sozialen Medien alle schön, reich und erfolgreich seien. „Unsere Jugend steht unter Druck. Genau darauf weisen wir in den vergangenen zwei Jahren permanent hin“, erinnert Perger, Mitglied der Lehrerinitiative „Qualitätsmarke Bildung Südtirol“. Mantraartig mahnt sie seit Langem: „Die Kompetenzen unserer Schüler nehmen ab, psychische Krisen nehmen zu und die halbherzige Integrationspolitik scheitert.“ <BR /><BR />Aus dem Herzen gesprochen habe ihr Staatspräsident Sergio Mattarella, der als Reaktion auf die Proteste fordert, nicht gleichgültig auf die Sorgen und Ängste der Jugend zu reagieren, sondern deren Ursachen entgegenzuwirken. „Er hat dafür explizit die Schule in die Pflicht genommen, um Jugendliche aufzufangen und gut zu begleiten. <BR /><BR />Doch Schule kann das nur mit mehr Zeit und Fachpersonal“, sagt Perger. <BR />Kobler sieht jedoch das immer gleiche Schema: „Man stürzt sich aufs nächste Sicherheitsdekret und ist nicht imstande oder gewillt, an die Ursachen heranzugehen. Ist das die Antwort der Politik auf die dringenden sozialen und gesellschaftlichen Probleme, die gerade unserer Jugend zusetzen?“