Dienstag, 26. Juni 2018

Jugend und Drogen: Gespräche und Vorbilder sind wichtig

Die erste Zigarette, das erste Bier, der erste Joint: Viele junge Menschen machen Erfahrungen mit Drogen, verfallen aber nicht in Abhängigkeit. Am Internationalen Tag gegen Drogenkonsum am heutigen Dienstag rät die Kinder- und Jugendanwältin Paula Maria Ladstätter Erwachsenen, mit ihrem Nachwuchs auch nach ertapptem Konsum im Gespräch zu bleiben und von Klein auf ein realistisches Bewusstsein schaffen.

Viele junge Menschen machen Erfahrungen mit Drogen, verfallen aber nicht in Abhängigkeit.
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Viele junge Menschen machen Erfahrungen mit Drogen, verfallen aber nicht in Abhängigkeit. - Foto: © shutterstock

Das Experimentieren mit berauschenden und illegalen Mitteln sei in der Pubertät Realität, sagt die Kinder- und Jugendanwältin. Eltern sollten aufklären, rät sie – am besten so früh wie möglich: über Risiken und strafrechtliche Konsequenzen, aber auch ganz vernünftig über die Wirkung von Drogen. Wutausbrüche und Verbote helfen nicht, wenn Jugendliche ertappt werden, sagt sie: „Jugendliche wollen sich von den Eltern lösen, Neues ausprobieren und stoßen dabei auch auf Drogen.“ In der Regel handle es sich dabei um Cannabis (Marihuana und Haschisch). Im Trend liegen aber auch Ecstasy und andere Partydrogen und vereinzelt auch Kokain und Heroin. Auch diese harten Drogen sind aber im Aufmarsch.

Drogen zur Unterhaltung, nicht als ernsthafte Sucht

Die Jugendstudie 2016 vom Statistikinstitut Astat hat ergeben, dass der Großteil der Südtiroler Jugendlichen, die mit Drogen experimentieren, diese nicht regelmäßig konsumiert. Viele tun es, um sich zu unterhalten. Risikobereitschaft und der Reiz, sich über Grenzen hinwegzusetzen und der Wirklichkeit zu entfliehen, führen ebenfalls zum Gebrauch von illegalen psychoaktiven Substanzen.

Italienweit verlängern sich die Zeiten, in denen Menschen Cannabis konsumieren. Knapp über einem Viertel der 15-jährigen Jungs geben an, zumindest einmal Cannabis konsumiert zu haben. Bei den gleichaltrigen Mädchen ist es jedes fünfte. Südtiroler Jugendliche sind im Vergleich zu den anderen italienischen Regionen auf dem vorletzten Platz. Fast 3 Viertel der jungen Menschen zwischen 14 und 25 Jahren erklären in Südtirol, nie Drogen genommen zu haben.

Unterschied zwischen Verkauf und Konsum

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft wurde auch heuer wieder häufig in Schulen eingeladen, um den Umgang mit Drogen zu thematisieren. Dabei sei zwischen Verkauf und persönlichem Konsum von illegalen Substanzen zu unterscheiden, sagt Paula Maria Ladstätter. Verkauf ist eine Straftat, Konsum eine verwaltungsrechtliche Übertretung. Wenn Jugendliche beim Konsum ertappt werden, werden sie mit den Eltern vom Präfekten zum Gespräch eingeladen.

Je nach Situation werden eine Psychotherapie oder Sozialstunden verordnet. Junge Erwachsene können auch den Reisepass oder Führerschein verlieren.

Ladstätter appelliert an die Eltern. Viele Mütter und Väter fühlten sich gesellschaftlichem Druck ausgesetzt: „Sie glauben, dass Übles aus Üblem entsteht und der Drogengenuss ihrer Kinder auf schlechte Erziehung, auf inkompetente oder überlastete Eltern zurückzuführen ist“, sagt sie. Es ist notwendig, sich aus diesen Gedankenmustern zu befreien.

Mit den Kindern im Gespräch bleiben und Sicherheit vermitteln

Viel wichtiger sei es, das Verhältnis zum Kind zu überprüfen, mit ihm im Gespräch zu bleiben und herauszufinden, ob es Stress in der Schule, mit Freunden oder daheim habe. Ein sicheres Zuhause ließe aus ersten Drogenversuchen nicht so leicht Abhängigkeit entstehen.

Grundsätzlich ist eine realistische Information der Jugend über Möglichkeiten und Risiken des Konsums neben dem gelebten Vorbild am sinnvollsten. Dem Jugendlichen die Freiheit zu geben, sich zu erleben, sei ebenso notwendig wie Grenzen zu setzen, sagt die Kinder- und Jugendanwältin.

Konflikte und Krisen selbst bewältigen zu lernen, gehöre für junge Menschen genauso zur Lebensvoraussetzung, wie das Wissen um Zuwendung und Liebe. „Wenn ein begründeter Verdacht besteht, dass eine Gefährdung vorliegt, ist es notwendig, die Beziehungs- und Vertrauensebene nicht zu verletzen“, sagt Paula Maria Ladstätter. Panische Reaktionen und Verbote seien kontraproduktiv.

stol

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