Mittwoch, 27. März 2019

Jugendanwaltschaft: Das Sprachrohr Heranwachsender

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija) ist das Sprachrohr für Heranwachsende in unserem Land und in ihrem heurigen zehnten Bestehungsjahr wichtiger denn je. Das betont Kinder- und Jugendanwältin Paula Maria Ladstätter anlässlich des heutigen Erscheinens des Jahresberichtes 2018.

Heranwachsende haben das Sprachrohr nötiger denn je.
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Heranwachsende haben das Sprachrohr nötiger denn je. - Foto: © shutterstock

Im vergangenen Jahr sind die Anfragen im Vergleich zu 2017 konstant geblieben: 411 neue Anfragen kamen hinzu, an 696 Situationen aus dem Vorjahr wurde weitergearbeitet. Die 3 Mitarbeiter haben 2018 mehr als 1760 Beratungen am Telefon und fast 200 Gespräche bei persönlichen Treffen gemacht.  Weitere knapp 200 Anfragen wurden per Mail, WhatsApp und Facebook bearbeitet.

Es ging um Jugendschutz, familiäre Konflikte, um Schule und Mobbing, Trennung, Scheidung, um Fremdunterbringung, um Adoption, um Internet und das Selbstbestimmungsrecht Jugendlicher. Sexualisierte, körperliche und psychische Gewalt nehmen zu.

Fälle, in denen um Hilfe von außen gebeten wird

Da ist ein 14-jähriger Junge, der daheim vom Vater regelmäßig Schläge bekommt, dessen Mutter sich aber hinter ihren Mann und nicht vor den Sohn stellt. Da sind Großeltern, denen nach der Trennung ihrer Tochter von deren Mann der Kontakt zu den Enkelinnen verweigert wird, weil sie seither beim ehemaligen Schwiegersohn leben.

Da ist ein 17-jähriger Jugendlicher, dessen Familie seit Jahren vom Sozialsprengel unterstützt wird, der aber mit der neu zugeteilten Sozialassistentin absolut nicht zurechtkommt. Da ist ein Vater, der seit der Trennung von seiner früheren Lebensgefährtin erfährt, wie die Mutter seiner beiden Söhne die Jungs ungleich behandelt, weil der eine den Vater öfters positiv erwähnt hat.

Die Sorgen der Erziehungsberechtigten

Da ist ein 14-jähriger unbegleiteter Minderjähriger aus Guinea, der bei einer Tante in Südtirol lebt, aber keinerlei Unterstützung von ihr bekommt – weder was die Schule, noch was die Planung der sommerlichen Aktivitäten angeht.

Da ist die Mutter, die sich um ihre Tochter sorgt, weil diese in der Schule heftig gemobbt wird.

Nicht alle Kinder und Jugendlichen in Südtirol können in einem sicheren und geschützten Rahmen aufwachsen. Umso mehr sei die Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija) als unabhängige und niederschwellige Anlaufstelle gefragt, betont Paula Maria Ladstätter.

Die Bilanz über 2018

Im Jahr 2018 hat die Kija 1.767 telefonische Beratungen gemacht, 192 Face-to-Face-Gespräche geführt, 184 Anfragen per Mail und 13 Anfragen über Social Media beantwortet.

Es ging um Kinder- und Jugendschutz, um Schulverweigerung, um Vernachlässigung, Gleichbehandlung und altersgemäße Entwicklung von Kindern, um familiäre Konflikte, Trennung und Scheidung.

Nicht zuletzt ging es auch um das Besuchsrecht eines Elternteils und Unterhaltszahlungen, um häusliche Gewalt, psychische, physische und sexualisierte Gewalt.

Mehrfachproblematiken kommen nicht selten vor

Auch Probleme zwischen Eltern und Kindern, Fragen der Erziehung und Fremdunterbringung, um die Integration schwacher Schüler und von Kindern mit besonderen Bedürfnissen in Schule und Alltag, um Mobbing in der Schule und Freizeit laufen bei der Kija ein. In vielen Situationen wurden Mehrfachproblematiken sichtbar.

Insgesamt haben die 4 Mitarbeiter der Kija im vergangenen Jahr 1107 Akten bearbeitet. Davon wurden 411 neu eröffnet, an 696 Akten aus den Jahren davor wurde weitergearbeitet.

Das derzeitige Team besteht aus Kinder- und Jugendanwältin Paula Maria Ladstätter, aus Bianca Stelzer, Expertin im Rechts- und Gesetzgebungsbereich, Daniela Höller, Expertin im Verwaltungsbereich und der Verwaltungssachbearbeiterin Federica Poli.

stol/lpa

stol