Denn auch beim Personal in Südtirols Praxen und Krankenhäusern wird das Alter spürbar: „Unsere 283 Allgemeinmediziner weisen ein Durchschnittsalter von 55 Jahren auf“, so Gesundheitslandesrat Theiner.Die Ärzte im Krankenhaus sind jünger – wenn auch nur geringfügig: Auch bei den 1032 Fachärzten liegt das durchschnittliche Alter bei 48 Jahren.„Hier kann Südtirol nicht Halt machen“, so der Landesrat.Der Ruf nach Medizinern: Bis 2020 braucht es Hunderte mehrAuch wenn der Ärztemangel zurzeit im Land noch nicht akut sei, müsse man in die Zukunft blicken. Um den Bedarf an Medizinern zu decken, müssten bis 2020 15 neue Allgemeinmediziner und 30 bis 40 neue Fachärzte eingestellt werden – jährlich.Junge Helfer in Weiß sind dabei besonders gefragt – bzw. „wertvolles Humankapital“, wie es Veronika Rogger, selbst Jungärztin auf der Pressekonferenz am Dienstag ausdrückt. „Wir müssen alles unternehmen, um die jungen Ärzte in Südtirol zu halten.“23 Medizinabsolventen jährlich gehen dem Land durch die LappenVerbesserungspotenzial in diesem Punkt sei durchaus vorhanden, so Theiner: „Durchschnittlich 86 Studenten schließen jährlich ihr Medizinstudium ab. Rund 63 Neueinschreibungen pro Jahr gibt es in der Ärztekammer Bozen.“Im Umkehrschluss bedeutet dies: 23 Absolventen orientieren sich um, arbeiten anderswo und gehen so dem Land verloren.„Südtirol muss ein attraktiver Standort für junge Ärzte sein“, formuliert Theiner das Ziel.Um dieses zu erreichen, seien bereits konkrete Schritte eingeleitet worden.Facharztausbildung: Zwei Termine pro Jahr führen zu schnellerer BearbeitungSo werden die Kurse für die Ausbildung zum Facharzt und zum Allgemeinmediziner nun nicht mehr im Drei-Jahres-Rhythmus, sondern jährlich angeboten.Bei der Ausbildung zum Facharzt habe man im Februar dieses Jahres eine Vereinfachung erzielt, berichtet Anna Pitarelli, die in der Gesundheitsabteilung die Facharztausbildung betreut. „Nicht mehr ein, sondern zwei Ausschreibungstermine werden für die Ausbildungsstellen angeboten. Im Februar und im August kann man sich für die Stellen bewerben.“ Dies habe zu einer schnelleren Bearbeitung der Anträge geführt.Im Rahmen der Facharztausbildung könne auch ein Ausbildungsjahr im Ausland absolviert werden. Sanitätsdirektor Oswald Mayr regt dazu an, „über den Tellerrand zu blicken“. „Seien Sie mutig“, so sein Tipp. „Routine und Enge schleichen sich von alleine ein.“Für die Ausbildung werden jährlich dreieinhalb Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Derzeit befinden sich 108 Ärzte in der Facharztausbildung, davon 43 in Italien, 19 in Österreich und Deutschland und 46 in Südtirol.Lohn angeglichen: Auszubildende kriegen einheitlich rund 2000 Euro bruttoAuch in Sachen Lohn seien Fortschritte gemacht worden. „Das Gehalt der Auszubildenden in Allgemeinmedizin wurde dem Gehalt der jungen Mediziner in Facharztausbildung angepasst“, so Theiner. Beide erhielten nun 2084 Euro brutto im Monat (vorher erhielten angehende Allgemeinmediziner 1549 Euro brutto).Jungärztin Rogger sieht dennoch Luft nach oben: „200 Euro netto mehr im Monat wären natürlich schön.“„Medical School“: Projekt liegt in Rom„Wir stehen im internationalen Wettbewerb“, schließt Gesundheitslandesrat Theiner. „Der Ärztemangel ist europaweit spürbar.“Südtirols Jungärzte seien gut ausgebildet, beherrschten Sprachen, könnten überall arbeiten. Der Abwanderung kluger Medizinerköpfe ins Ausland gelte es daher entgegenzusteuern.Was die geplante „Medical School" betreffe, so Theiner, seien viele Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen. Jetzt liege das Projekt im Ministerium in Rom.pg